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Das Sanskrit-Wort Drishti hat in seiner Übersetzung viele ähnliche Bedeutungen:

  • Sehen
  • Schauen
  • Erblicken
  • Sehvermögen
  • Sehkraft
  • Sichtweise
  • Blick
  • Vision
  • Anschauung
  • Ansicht

Es bezieht sich hierbei aber nicht nur auf das körperliche Auge, sondern auch auf das geistige (innere) Auge.

Drishti ist eine Technik, die in vielen Yoga-Traditionen praktiziert wird. Im Ashtanga Yoga nach Sri K. Pattabhi Jois wird besonders viel Wert auf Drishti gelegt. Hier ist jeder Asana eines der 9 Drishtis zugeordnet. Abe auch B.K.S. Iyengar, Desikachar und viele andere große Yoga-Lehrer integrieren Drishti in ihr Yoga.

drishti

Drishti ist ein Werkzeug oder Hilfsmittel des Yoga, um eine Ablenkung des Sehsinns zu vermeiden oder ihr Vorzubeugen. Denn wenn die Augen in Bewegung sind, ist es meist auch die Aufmerksamkeit. Es handelt sich hierbei um einen Fokuspunkt, Blickpunkt oder Fixpunkt, der mit den Augen betrachtet wird. Gerade in Balance-Übungen wird oft ganz unbewusst Drishti praktiziert. Durch die volle Konzentration mit geöffneten oder geschlossenen Augen auf einen bestimmten Punkt will man die Aufmerksamkeit nach innen lenken, die Konzentration erhalten und die Energie in eine bestimmte Richtung steuern. Bei der Fixierung eines Drishti sollte der Blick allerdings nicht starr oder intensiv sein, sondern eher weich, leicht, entspannt und verschwommen. Es geht nicht darum irgendetwas gestochen scharf zu fokussieren, sondern der Drishti soll den Fokus am Ende nach innen lenken.

Im Yoga gibt es 9 Arten von Drishti. Diese 9 Arten beschreiben jeweils die unterschiedlichen Blickrichtungen:

Nr.DhristiFokuspunkt
1.Angustha Ma DyaiDaumen
2.NasagraiNasenspitze
3.HastagraiHand
4. & 5.ParsvaWeit nach rechts, weit nach links
6.UrdhvaNach oben, in die Weite, zum Himmel
7.Nabi ChakraNabel
8.PhadayoragraiGroßzehe
9.Ajna Chakra oder BroomadhyaStirn, 3. Auge

Je nachdem wohin der Blick gerichtet wird, hat dies unterschiedliche Wirkungen. So kann der nach oben gerichtete Blick (Urdhva Drishti) inspirierend wirken; der Blick nach unten (Nabi Chakra) im Herabschauenden Hund (Adho Mukha Svanasasana) dagegen beruhigend.

 

Drishti im Alltag

Das Konzept von Drishti kann auch wie so vieles im Yoga in das wahre Leben übertragen werden:

  • Hast du einen Traum, wird er nur Wirklichkeit, wenn du ihn nie aus den Augen verlierst!
  • „Ein Ziel, dass man nicht sieht, kann man auch nicht treffen.“ Da ist doch was Wahres dran!
  • „Den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen.“ Diese Redewendung wurde vor allem durch den Dichter Christoph Martin Wieland geprägt. Zum einen bedeutet dieses Sprichwort, dass man etwas, was man sucht, nicht sieht, obwohl es in unmittelbarer Nähe liegt. Das hat mit Sicherheit schon mal jeder im Alltag erlebt. Es kann aber auch bedeuten, dass jemand sich mit so vielen Kleinigkeiten beschäftigt, dass er den Blick für das "große Ganze" verliert.
  • Und auch der Dichter Christian Morgenstern bringt es auf den Punkt: "Man sieht oft etwas hundert Mal, tausend Mal, ehe man es zum allerersten Mal wirklich sieht." Eine Situation, die manche aus der Liebe kennen...

 

Drishti in der Yogastunde mit Jugendlichen

Drishti ist ein tolles Thema für die Yogastunde mit Jugendlichen, denn die Pubertät stellt ja irgendwie alles auf den Kopf, eine Krise folgt auf die nächste und nichts scheint mehr gleich zu bleiben. Außerdem ist die Pubertät eine Zeit des Zweifelns und der Unsicherheit. Gerade in dieser Lebensphase ist es extrem wichtig die eigenen Stärken zu finden und nicht aus den Augen zu verlieren, die Orientierung zu behalten, in vielen kleinen Krisen nicht den Überblick zu verlieren und sich einen eignen Anker zu schaffen. Drishti ist hier ein wunderbares Hilfsmittel des Yoga, um die Jugendlichen in dieser besonderen Lebensphase mit Yoga zu unterstützen.

Du kannst hier entweder eine komplette Yogastunde zum Thema Drishti gestalten oder aber das Thema im Zusammenhang mit Gleichgewichtshaltungen oder fortgeschrittenen Asana mit einfließen lassen. Ich würde dir aber empfehlen, das Thema Drishti zuerst in einer eigenen Yogastunde den Jugendlichen vorzustellen. So haben die Jugendlichen die Möglichkeit sich mit dieser Technik vertraut zu machen, sie auf unterschiedliche Art und Weise auszuprobieren und erste Erfahrungen zu sammeln. Danach kannst du die Technik auch in Yogastunden mit anderen Themen immer wieder bei verschiedenen Asana mit einfließen lassen und so festigen.

In meiner Yogastunde für Jugendliche, die ich zum Thema Drishti geschrieben habe, erfahren die Jugendlichen erst einmal alles zur Theorie von Drishti. Hier nutze ich sehr gerne die oben genannten Zitate und Redewendungen von Christian Morgenstern und dem Dichter Christoph Martin Wieland, die die meisten Jugendlichen zumindest schon einmal gehört haben. Danach folgt eine Aufwärmphase mit Übungen und Asana-Sequenzen, die auf den Hauptteil der Yogastunde vorbereiten in dem das Üben der 9 unterschiedlichen Drishti im Mittelpunkt steht. Für jedes Drishti habe ich hier eine eigene Asana-Sequenz mit sogenannten Schlüssel-Asana entworfen in denen das jeweilige Drishti geübt wird. Die letzten Asana-Sequenzen mit Drishti bereiten gleichzeitig auf die Entspannungsphase in Shavasana vor. Mit dieser Yogastunde habe ich so den Grundstein für die Yoga-Technik des Drishti gelegt und greife sie dann in weiteren Yogastunden bei ausgewählten Asana immer wieder auf und vertiefe sie gemeinsam mit den Jugendlichen.

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Bilderquelle: © fizkes 175178631 Fotolia.com

von Kerstin Marchlewski

Die Teenagerzeit ist geprägt von ständigen Veränderungen – und die Pubertät beginnt immer früher. Als erstes der Wechsel von der Grundschule in eine weiterführende Schule: neue Freunde, Klassenkameraden, Lehrer – der Platz in der Rangordnung muss sich wieder neu „erkämpft“ werden. Die Gefühle fahren Achterbahn – und die Laune ändert sich täglich, oft sogar stündlich: heute schüchtern, morgen vorlaut. Jeder Tag ist für Teenager wieder eine Herausforderung sich neu zu positionieren: stiller Mitläufer, cooler Trendsetter, verpeilter Nerd, ich-bin-gegen-alles Punk oder verträumter Hippster. Der Körper verändert sich: Brust und Hüften wachsen, die Freundin ist auf einmal viel schlanker als ich, bin ich zu fett?, die ersten Diäten werden ausprobiert. Dr. Sommer in der BRAVO ist noch immer DER Ansprechpartner in dieser Zeit! Die Hormone schießen ein, das erste Mal verliebt!

Nicht Fisch - Nicht Fleisch

Ich weiß nicht, ob du dich noch an deine eigene Pubertät erinnern kannst! Wenn ich jedoch ganz intensiv zurückdenke, fällt mir wieder ein, das ich Hin- und Her gerissen war: Einerseits wünschte ich mir, alles solle so bleiben wie es ist – kuschelig und gemütlich von Mama den Kopf kraulen lassen und schmusen. Nähe – kindliche Nähe zur Mutter. Die Lieblingspuppe, den Teddy knuddeln, damit spielen. Aber ich war doch schon erwachsen! Was sollten diese blöden Gedanken? Wenn das einer mitkriegt! Ich wollte mir von meinen Eltern nichts vorschreiben lassen! Ich wusste selbst, was am besten für mich war! Mussten die sich in alles einmischen? Schule, Lernen, Heimkommen, ...! Konnten die denn nicht sehen, das ich schon „groß“ war?

Genau DAS macht Teenager-Yoga so besonders!

Wie du weißt, hat jede Altersgruppe ihre Besonderheiten – doch beim Teenager-Yoga benötigst du noch einmal besonders viel Einfühlungsvermögen und Fingerspitzengefühl. Jedes Kind ist anders und das solltest du aufgreifen können, indem du in deinen Yogastunden flexibel darauf eingehen kannst und notfalls die geplante Stunde umwerfen kannst. Im Teenageryoga ist nicht nur jeder Teenager anders – die zusätzliche Herausforderung ist, das auch die Stimmung stündlich oder minütlich anders sein kann.

Deine Ziele im Teenageryoga

Asanas, Pranayama, Entspannung – natürlich soll das nicht wegfallen! Doch gerade im Teenageryoga wird wieder einmal deutlich, das Yoga so viel mehr ist, als diese 3 Aspekte, auf die die westliche Welt Yoga so gerne reduziert! Beim Teenageryoga stehen Kommunikation, Selbstfindung und Balance der Gefühle und des veränderten Körpers im Vordergrund. Aber auch Achtsamkeit sich selbst und vor allem in der Interaktion mit Gleichaltrigen sollte einer deiner Schwerpunkte in den Stundenbildern sein.

Deine Aufgabe im Teenageryoga

Beim Teenageryoga hast du noch einmal eine ganz besondere Verantwortung – du bist weniger Lehrerin die vorgibt und lehrt als Vertraute, Freundin, erwachsene Ratgeberin, die den Jugendlichen hilft, ihr Yoga auf ihre Art und Weise zu entdecken und umzusetzen!

Zwei Dinge musst du hier besonders gut können:

  • Zuhören
  • offen sein für neue Yogawege (der Teenager)

Deine Yogastunden, der Raum mit den Matten ist DER Raum, wo die Themen Eltern, Lehrer, Liebe, Freundschaft, Druck, Minderwertigkeitsgefühle und Ängste ihren Platz finden. Es ist DER Raum für Diskussionen (über Asanas, Achtsamkeit, Gefühle) und das Ausprobieren (von Übungen, Atemtechniken, Entspannungen).

Vorgefertigte Stundenbilder

Es gibt Unmengen von fertigen Stundenbildern in Bücher oder dem Internet für jede Altersklasse – für Teenageryoga sind diese aber oft nur schwer zu finden! Es zeigt dir noch einmal ganz deutlich, wie individuell und differenziert dein Unterricht sein sollte! Jeder Kurs, jede Stunde sollte ganz speziell auf dein Teenager zugeschnitten sein! Denn was nutzt dir das beste Stundenbild zu einem tollen Thema, wenn du damit DEINE Teenager damit nicht erreichst?

„Planlos“ in die Yogastunde mit Teenagern?

Natürlich nicht und es spricht auch nichts gegen vorgefertigte Stundenbilder, die dir Inspiration geben oder dir als roter Faden durch die Stunde helfen. Wichtig ist nur, dass du alle obigen Herausforderungen mit in dein Stundenbild einbeziehst, ganz egal ob du dir ein fertigtes Stundenbild irgendwo im Internet gedownloadet hast oder das Stundenbild selbst geschrieben hast. Ganz wichtig ist es die folgenden Punkte zu berücksichtigen:

  • Die Befindlichkeitsrunden nehmen jede Stunde einen großen Raum ein.
  • Rituale sind in jedem Alter wichtig – im Teenageryoga könnten Affirmationen diese Aufgabe übernehmen. Eine Affirmation könnte durch die gesamte Stunde begleiten. Die Teenager können dazu die passenden Übungen erarbeiten. Gesprochene Affirmationen während der Übung unterstützen deren Wirkung.
  • Meditationen eignen sich als Konzentrationsübung vor den Asanas.
  • Partnerübungen sind sehr beliebt und unterstützen die soziale Interaktion.
  • Teenager lieben Flow-Übungen (Vinyasa Yoga).
  • Dynamik und Entspannung sollten sich abwechseln.
  • Immer wieder Zeit für Austausch und Kommunikation einbauen und anbieten.

Genauso schlau wie vorher?

Die Arbeit mit Jugendlichen ist immer wie ein Tanz auf dem Vulkan, denn man weiß nie, ob oder wann er ausbricht. Deshalb habe ich an dieser Stelle erst mal nur einige Tipps für dich, denn du kannst dich in diese Stunden wirklich nur „einarbeiten“!

  • Sei offen – gib so wenig vor wie möglich!
  • Hör genau hin - was sind ihre Themen, was ist gerade angesagt?
  • Greif die Themen der Teenager auf und suche dazu passende Affirmationen raus!
  • Welche Übungen passen zu den Affirmationen? Erarbeite die Übungen gemeinsam mit den Teenagern!
  • Schaff Raum und Zeit für Diskussionen, Gespräche und das Ausprobieren!
  • Denk immer daran: Auch wenn in einer Yogastunde keine einzige Asana geübt wird, ist es dennoch eine Yogastunde!

Vielleicht geht es dir so wie mir – du wächst an jeder Yogastunde. Doch es sind gerade die Stunden mit den Teenagern, die für eine unheimliche persönliche Bereicherung und Entwicklung sorgen. Wie frei und gelöst man ist, wenn man offen und flexibel bleibt, bekommst du nirgendwo so gut gezeigt wie im Teenageryoga.

teenageryoga

Bilderquelle: © 127231229 Alena Ozerova Fotolia.com

Die Pubertät ist für Jugendliche eine besonders sensible Lebensphase, denn es müssen viele Aufgaben bewältigt werden. Die körperliche Entwicklung, das Finden der eigenen Identität, Druck in der Schule, die Loslösung von den Eltern oder die Rolle im Freundeskreis sind nur einige Beispiele, die oft eine psychische Belastung für Jugendliche darstellen. All diese Aufgaben, denen sich Jugendliche während der Pubertät stellen müssen, tragen jede Menge Konfliktpotenzial in sich und können Stressfaktoren für Jugendliche sein. Stress in dieser Lebensphase kann sich z.B. durch körperliche Anspannung, emotionale Gereiztheit, ein geringes Selbstwertgefühl, Aggressivität, eine ablehnende Haltung oder Gesundheitsbeeinträchtigungen wie z.B. Bauch- oder Kopfschmerzen äußern.

Stress wirkt sich aber auch immer auf den eigenen Atemrhythmus aus und beeinflusst diesen Negativ. So gerät man schnell in einen Teufelskreis, der körperlich wie emotional noch einmal zusätzlichen Stress bedeuten kann.

Zusammenhang zwischen Stress und Atmung

Stress ist unsere körperliche Reaktion auf Dinge, die uns herausfordern und ängstigen; die uns daran hindern unsere Absichten zu verfolgen oder einfach nur von uns Verlangen unser Verhalten zu ändern. Diese Dinge und Situationen werden Stressfaktoren genannt, unsere körperliche Reaktion darauf Stress. 

Wenn wir Stressfaktoren ausgesetzt sind, reagiert unser Körper immer auf die Gleiche Weise, egal was es ist: Realer Leistungs- oder Zeitdruck, Streitigkeiten, Sorgen oder negative und belastende Situationen, die wir uns einfach nur vorstellen und die nicht real sind.

Es ist eine erstaunliche Tatsache, dass unsere Gedanken nicht zwischen wirklichen
realen Ereignissen und Ereignissen unterscheiden, die wir uns einfach nur vorstellen.

Deshalb ist es so wichtig positives Denken zu üben, denn unsere Gedanken haben einen direkten Einfluss auf unseren Körper und deshalb auch auf unsere Gesundheit. Unsere Körperzellen belauschen ständig unsere Gedanken und verändern sich dementsprechend positiv oder negativ.

Wenn wir mit Stressfaktoren konfrontiert werden, ob sie real sind oder wir sie uns nur vorstellen, reagiert unser Körper darauf immer auf die gleiche Weise. Adrenalin und Cortisol werden in unser Blut freigesetzt. Unsere Herzfrequenz und der Blutdruck steigen. Unser Herz muss plötzlich viel mehr leisten, wodurch sein Sauerstoffbedarf enorm steigt. Unser Atemrhythmus verändert sich, unsere Muskeln spannen sich an. Unser Körper geht in den „Überlebensmodus“.

Befinden wir uns dauerhaft in einem solchen Zustand gefährdet dies unsere Gesundheit, denn unser Körper ist nur noch damit beschäftigt zu „Überleben“ und die hierfür notwendigen Systeme am Laufen zu halten. Er verwendet keinerlei Energie mehr für die Selbstheilung oder die Erneuerung der Körperzellen.

Immer wenn wir uns in einer stressigen Situation befinden,
spiegelt sich dies in unserer Atmung wieder.

Unser Hauptatemmuskel ist das Zwerchfell. Dieser Muskel ist dafür gemacht, die Arbeit der Atmung für uns ein Leben lang zu übernehmen. Während großer Anstrengungen unterstützen die Atemhilfsmuskeln im Bereich von Schultern und Brustkorb die Arbeit des Zwerchfells, in dem sie den Brustkorb intensiver bewegen, wodurch es möglich ist die Lungen mit mehr Sauerstoff zu versorgen. Die Brustatmung der Atemhilfsmuskeln steht im Zusammenhang mit körperlicher Anstrengung wie z.B. beim Sport aber auch mit seelischer Anstrengung, denn sie hilft dem Körper in Ausnahmesituationen mehr Sauerstoff aufzunehmen. Bei dieser Art der Atmung wird für den gleichen Luftaustausch wesentlich mehr Energie verbraucht als bei der Bauchatmung! Da es sich bei den Atemhilfsmuskeln halt eben auch nur um Hilfsmuskeln für besondere Situationen handelt, ermüden sie relativ schnell, was zu Verspannungen im Bereich der Schulter- und Brustmuskulatur führt.

Steht man ständig unter Stress und Anspannung und atmet deshalb überwiegend durch die Brustatmung gerät man schnell in einen Teufelskreis. Denn dauerhafte Brustatmung führt wiederum zu allgemeiner Erschöpfung, Anspannung und Unruhe.

Durch den Atem bekommt unsere Seele
die Möglichkeit zu sprechen.
~ Danna Faulds

Kurskonzept für Teenageryoga "Mit Yoga gegen Stress & Burnout - Deep Relax"

Das Kurskonzept „Mit Yoga gegen Stress & Burnout – Deep Relax“ richtet sich an Jugendliche ab 12 Jahren und enthält 4 aueinander abgestimmte Stundenbilder. Es kann im Rahmen der Prävention eingesetzt werden, ist aber insbesondere für Jugendliche geeignet, die bereits unter ersten Stresssymptomen oder auch Burn-Out leiden. Der Schwerpunkt des Kurskonzeptes liegt auf einfachen Atemübungen (Pranayama), dem Mondgruß (Chandra Namaskar) sowie passiven Yoga-Übungen aus dem Yin Yoga. Zudem wird mit den Jugendlichen in jeder Yogastunde gezielt die Beobachtung der eigenen Atmung geübt und dann gemeinsam in ein „Atemtagebuch“, das dem Kurskonzept als Anlage beigefügt ist, eingetragen. Beendet wird jede Stunde in Shavasana mit einer entsprechenden Entspannungs- oder Visualisierungsübung. 

 

Stress & Burnout bei Teenagern - Die Atmung

 

Bilderquelle: © Jacob Lund 119253508 Fotolia.com

Wenn man eine Yogastunde für Kinder oder Jugendliche vorbereiten möchte, sucht man sich in der Regel ein Thema und bereitet dies für die nächste Stunde vor. Und so bereitet man Woche für Woche die jeweils nächste Stunde vor. Aber gerade wenn man mit Kursblöcken arbeitet, mit einem Monatsthema arbeiten möchte oder über einen längeren Zeitraum einen roten Faden durch die Yogastunden ziehen möchte, macht es Sinn eine andere Vorgehensweise zu wählen. Aber auch wenn man Kurse hat, die mit den gleichen Teilnehmern schon über einen längeren Zeitraum laufen, ist es sinnvoll den Kurs von Zeit zu Zeit zu analysieren, um so die weitere Planung festlegen zu können. Im folgenden erkläre ich dir Schritt für Schritt wie du mit Hilfe der Gruppenanlyse und der Mind Map Methode am Ende eine inhaltliche Planung für dein Yogakurse mit Kindern und Jugendlichen erstellen kannst.

Gruppenanalyse

Im Rahmen der Unterrichtsplanung ist die Gruppenanalyse ein sehr wichtiger Bestandteil. Da heterogene Kursgruppen auch im Yoga meist die Regel sind, ist eine solche Analyse nicht nur für einen selbst im Unterrichten der Gruppe eine wertvolle Hilfe. Eine Gruppenanalyse hilft auch dabei die richtigen Kursinhalte und Themen für den Yogakurs auszuwählen.

Bevor du an die Vorbereitung des Unterrichts gehst, solltest du dir deshalb im ersten Schritt die Teilnehmer des betreffenden Kurses näher betrachten. Beginnst du mit einem ganz neuen Kurs ist dies natürlich schwierig, da du die Teilnehmer noch gar nicht kennst oder nur sehr wenig über sie weißt. Zu Anfang eines neuen Kurses, solltest du dir deshalb nach jeder Stunde etwas Zeit nehmen und die Gruppenanalyse fortschreiben. Aber auch bei bestehenden Kursen lohnt es sich diese fort zuschreiben. So ergeben sich oft ganz von selbst Themen für die Yogastunden und du kannst vor allem ganz gezielt die Kinder und Jugendlichen in ihrer Entwicklung oder bei Problemen und Schwierigkeiten unterstützen.

Bei der Gruppenanalyse werden allgemeine Merkmale sowie das soziale Verhalten betrachtet:

Allgemeine Merkmale

  • Altersverteilung
    Es ist wichtig, dass du dir in jedem Kurs die Altersverteilung genau anschaust, da du nur so Entwicklungsunterschiede bei den Kindern erkennen und im Unterricht berücksichtigen kannst. Ansonsten kann es schnell zu einer Über- oder Unterforderung kommen.

  • Aufmerksamkeit und Konzentration
    Auch hinsichtlich der Aufmerksamkeit und Konzentration kann es Unterschiede geben. Die Gründe hierfür können einfach im Altersunterschied der Kinder liegen oder aber auch an einer Konzentrationsschwäche. Die durchschnittliche Aufmerksamkeitsspanne von Kindern und Jugendlichen beträgt bei:

    5-7 Jährigen durchschnittlich 15 Minuten

    7-10 Jährigen durchschnittlich 20 Minuten
    10-12 Jährigen durchschnittlich 20-25 Minuten
    12-14 Jährigen durchschnittlich 30 Minuten
  • Geschlecht
    Ist die Gruppe eine weibliche, männliche oder gemischte Gruppe? Dies kann auf die Unterrichtsthemen für deinen Kurs Auswirkungen haben.
  • Wissens- und Erfahrungsstand
    Haben die einzelnen Teilnehmer des Kurses schon Kenntnisse im Yoga oder ist es der erste Yogakurs, den sie besuchen?
  • Auffälligkeiten
    Gibt es Kinder in dem Kurs, die Auffälligkeiten wie zum Beispiel ADHS, aggressives oder extrem schüchternes Verhalten usw. zeigen?
  • Motivationslage
    Gerade bei kleineren Kindern ist die Motivationslage selten ein Problem. Erst mit zunehmendem Alter kann die Motivation im Kurs mitzumachen eventuell ein Problem sein (z.B. Yogakurse für Jugendliche).
  • Besonderheiten der Gruppe
    Gibt es weitere Besonderheiten der Gruppe oder einzelner Teilnehmer?

Soziales Verhalten

  • Umgang miteinander
  • Kooperationsfähigkeit
  • Problemverständnis
  • Kontaktfähigkeit
  • Konkurrenzdenken und Gemeinschaftsgefühl
  • Außenseiter und Stars der Gruppe
  • Rituale und Regeln

 

Themenfindung

Themen für die Kinderyogastunde zu finden ist so eine Sache. Manchmal hat man so viele Ideen, dass man den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sehen kann. Und dann gibt es Zeiten in denen man das Gefühl hat, dass es nicht mehr möglich ist noch neue Themen zu finden und man selbst ist völlig blockiert. Gerade wenn man Experte in einem Gebiet ist, ist es umso schwieriger, all das Wissen zu strukturieren und zu organisieren. Hierbei kann dir die Mind Map Methode eine wertvolle Hilfe sein.

So funktioniert die Mind Map Methode:

Das Hauptthema steht in der Mitte. Von dort aus verzweigen Äste auf alle Unterthemen zum Hauptthema. Diese Äste gliedern sich wiederum in Zweige, die die Unterthemen weiter untergliedern. Auf diese Weise werden Ideen und Stichworte gleich in ihren Zusammenhängen gebracht und visualisiert. Selbst komplizierte und umfangreiche Themen können so vereinfacht und übersichtlich dargestellt. So bietet die Mind Map eine ideale Arbeitsgrundlage, um die einzelnen Bereiche später detailliert auszuarbeiten.

Um eine Mind Map zu erstellen benötigt man lediglich ein leeres Blatt Papier im DIN A3 Format. Hast du diese Format nicht zur Hand dann kannst du auch einfach zwei A4 Blätter mit Tesafilm zusammenkleben. Zusätzlich benötigst du einen Bleistift, Radiergummi und ein paar Buntstifte.

Schritt 1
Lege das Blatt quer vor dich hin. Schreibe oder male dein Thema in die Mitte des Blattes. Benutze hierfür den Bleistift, da es so einfacher ist Änderungen vorzunehmen bis du die grobe Struktur deiner Mind Map entwickelt hast.

Schritt 2
Vom Hauptthema, das in der Mitte steht, gehen nun die Äste zu den Unterthemen ab. Hier empfehle ich dir maximal 7 Äste abgehen zu lassen. Die großen Bereiche, die zu deinem Hauptthema gehören, können oft über die W-Fragen gefunden werden: Wer? Was? Wie? Wann? Wo? Warum? Womit? Hast du am Ende mehr als 7 Äste ist dies auch kein Problem. Meist kann man später, wenn man die Mind Map weiter ausgearbeitet hat, bestimmte Bereiche ganz logisch zusammenfassen.

Schritt 3
Die nächste Ebene sind die Zweige. Hier wirst du noch präziser und detaillierter. Bei den Themen muss keine Reihenfolge eingehalten werden. Fällt dir war neues ein, dann ergänze es einfach.

Schritt 4
Nun kannst du deine Mind Map mit, Farben, Bildern und Symbolen ergänzen, um noch mehr Struktur, Abgrenzung zwischen Themen und Übersichtlichkeit hinein zu bringen. Sei einfach kreativ! Am Ende kann es passieren, das du Zusammenhänge auf einen Blick erkennst!

Am Ende hast du eine schöne thematische Übersicht über dein Hauptthema. Diese kannst du jederzeit ergänzen. Betrachte auch deine Gruppenanalyse des Kurse und ergänze deine Mind Map falls erforderlich mit weiteren Informationen aus der Gruppenanalyse.

 

Inhaltliche Planung

Auf der Basis der Gruppenanalyse und der allgemeinen Themensammlung für einen Kurs geht es nun an das strukturierte inhaltliche Vorbereiten des Kurses. Bei der Unterrichtsplanung solltest du immer mit dem „Herzstück“ beginnen. Von dort aus gehst du dann rückwärts und legst fest, welche Schritte notwendig sind, um das „Herzstück“ zu vermitteln. Folgende Fragestellungen können ebenfalls hilfreich sein:

  • Was will ich mit meinem Unterricht erreichen?
  • Mit welchen Fragen gehe ich an ein Thema heran?
  • Welche allgemeine Bedeutung hat das Thema für die Kursteilnehmer? Allgemein, zum jetzigen Zeitpunkt, in der Zukunft?
  • Welche Verbindungen kann man mit dem Thema zu anderen Inhalten knüpfen?
  • Welche Punkte des Themas sind für die Kursteilnehmer besonders interessant?

Im Optimal-Fall kannst du dir jetzt aus der Mind Map einfach einen Ast herausgreifen und diesen weiter konkretisieren. Alternativ kannst du eine neue Mind Map zu diesem Punkt erstellen und so vielleicht zu einer anderen Sichtweise und neuen Erkenntnissen zu dem Thema gelangen.

Danach geht es damit weiter eine grobe Jahresplanung zu erstellen. Bei dieser Grobplanung geht es darum die monatlichen Themen des betreffenden Kurses für ein Jahr im Voraus zu planen, um zu vermeiden, dass man während des Jahres im Alltagsstress den roten Faden in der Unterrichtsplanung des Kurses verliert. Auch wenn du auf diese Weise natürlich weit im Voraus planst, bleibt genügend Raum für Flexibilität falls notwendig. Halte dir für jeden Monat stichwortartig fest, welche wichtigen Inhalte vermittelt werden sollen. Diese Grobplanung hilft nicht nur dabei den Überblick zu behalten, sondern ist auch später eine wertvolle Hilfe beim detaillierten Ausarbeiten der einzelnen Yogastunden.

 

unterrichtsplanung kinderyoga

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