Beruf Kinderyogalehrerin – Die Kehrseite der Medaille

Beruf Kinderyogalehrerin - Ja, das lässt bei vielen das Herz höher schlagen, auch bei mir, denn dahinter steckt nicht nur ein Beruf zum Geld verdienen, sondern vor allem Leidenschaft. Seit mittlerweile 9 Jahren bin ich als Kinderyogaleherin tätig, unterrichte Kinder, Jugendliche und ihre Eltern, bin im Rahmen von Aus- und Weiterbildungen für Kinderyogalehrerinnen tätig, veröffentliche Artikel, Lehr- und Unterrichtsmaterialien, informiere über Kinderyoga, bin in Kindergärten und Grundschulen unterwegs, führe Workshops für Pädagogen durch und vieles mehr. Auch nach 9 Jahren ist es für mich immer noch eine Leidenschaft. Ich liebe es kreativ zu sein, mit Kindern und Jugendlichen zu arbeiten, Yoga-Philosophie kindgerecht zu "verpacken", Meditieren mit Kindern zu meistern, Yoga in Kindergärten und Schulen zu bringen; ja die Aufzählung ist endlos.

Aber wie bei so vielem gibt es auch hier eine Kehrseite der Medaille, die ich ebenfalls in den letzten 9 Jahren kennen lernen durfte. Es waren insbesondere 3 Situationen, die mich persönlich an meine Grenzen brachten, zweifeln ließen, mich in höchstem Maße herausforderten, alles in Frage stellten und mir heute noch in allen Einzelheiten im Gedächtnis sind.

Das schwarze Loch und das weiße Blatt Papier

Als ich mit dem Unterrichten von Kinderyoga begonnen habe, bin ich vor Ideen zur Gestaltung der Yogastunden fast übergelaufen. Aus der Ausbildung zur Kinderyogalehrerin habe ich viele Ideen und Anregungen mitgenommen und jedes Buch zum Thema war zu dieser Zeit eine schier unerschöpfliche Inspirationsquelle. Mit viel Motivation stürzte ich mich in die Stundengestaltung, sammelte Erfahrungen im Unterrichten, entwickelte mich als Kinderyogalehrerin, formt meine Persönlichkeit als Kinderyogalehrerin, entdeckte eine neue Sichtweise auf die Dinge. Und plötzlich war ich in einem schwarzen Loch. Ich hatte das Gefühl alle Ideen schon umgesetzt zu haben und neue Ideen konnte es doch wirklich keine mehr geben. Ich tat mich unglaublich schwer in der Stundenvorbereitung, es kostete mich wahnsinnig viel Energie und am Ende war ich von meinen eigenen Yoga-Stunden gelangweilt. Jede Woche war ich verzweifelt auf der Suche nach Ideen und Inspiration und es stresste mich unglaublich, dass die nächste Yogastunde schon wieder vor der Tür stand. Eines war klar: So konnte es nicht weiter gehen! Es gab nur zwei Möglichkeiten; entweder ist Schluss mit Kinderyoga oder das weiße Blatt muss sich wieder mit Leichtigkeit füllen lassen. Da ich grundsätzlich ein extrem ehrgeiziger Mensch bin, der sowas auf keinen Fall aus sich sitzen lassen will, war klar, dass weiße Blatt muss wieder gefüllt werden. Aus dieser unkreativen Phase heraus ist übrigens auch meine Internetseite hier entstanden.

 

Böse Jungs und zickige Mädchen

Hat man eine nette und harmonische Gruppe mit Kindern, dann ist das Unterrichten ein Selbstläufer. Gerade in der Anfangszeit habe ich mich manchmal selbst gewundert, wie gut das Unterrichten funktioniert. Dann kamen die ersten Kinder in die Gruppe mit denen der Umgang nicht ganz so einfach war. Angefangen von Kindern, denen alles zu langweilig war, Kinder die ständig störten und andere ablenkten, Mädchen bei denen ich dachte, wie kann man in dem Alter schon so zickig sein und Jungs, die nur zum Yogakurs angemeldet wurden, weil die Mütter zu Hause nicht mit ihnen klar gekommen sind. Ein normaler Yoga-Unterricht war nicht möglich, ich selbst war völlig überfordert und gestresst und wusste nicht, wie ich mit den Kindern umgehen sollte. Das waren definitiv Situationen, die mich an meine Grenzen brachten. Verzweifelt, demotiviert und alles in Frage stellend, beschreibt mein Gefühl nach solchen Yogastunden am besten. Gerade hier ging es am Ende für mich nicht darum, die eine Lösung zu finden, sondern eine ganz andere Art von Verständnis zu entwickeln, lernen Loszulassen, aber auch zu erkennen, dass man die eigenen Grenzen durchaus auch einmal akzeptieren muss.

 

Alle sind begeistert, aber niemand kommt

Eine weitere Situation an der ich fast verzweifelt wäre, kommt dir bestimmt auch bekannt vor: Alle sind begeistert von deinen Angebot, versprechen zu kommen, melden sich sogar direkt an und am Ende sitzt du mit 3 Kindern im Kurs da. Andere Kinder werden angemeldet, nehmen an 2 oder 3 Kursstunden teil, die Eltern sind begeistert und dann tauchen die Kinder nie wieder auf. Als erstes habe ich mich natürlich gefragt, warum das so ist und ganz ehrlich ich habe es auch persönlich genommen. Ich habe mir den Kopf darüber zerbrochen, habe den Fehler bei mir gesucht und habe mein ganzes Konzept in Frage gestellt. Aber auch hier habe ich nicht aufgegeben, sondern Lösungen und Erklärungen gesucht und am Ende auch für mich persönlich gefunden.

 

Aus meiner Erfahrung heraus weiß ich, dass viele Kinderyogalehrerinnen, an den beschrieben Situationen schon gescheitert sind, was ich durchaus nachvollziehen kann. Auch für mich waren diese Situationen alles andere als einfach, haben mich in allen Bereichen immens herausgefordert und meinen Ehrgeiz teilweise schon im ungesunden Maße angestachelt. Aber in jeder einzelnen Situation habe ich mich dafür entschieden, die Herausforderung anzunehmen, bin daran gewachsen, habe unglaublich viel auch über mich selbst gelernt und wertvolle Erfahrungen gesammelt.

 

There are no wrong turns, only unexpected paths.
~ Mark Nepo

beruf kinderyogalehrerin

 

Bilderquelle: © Drobot Dean 127696293 Fotolia.com

5 Kommentare:

  1. Danke für die ehrlichen Worte! Du bist nicht alleine, jeder steht mal vor dem Punkt, an dem es anscheinend nicht weitergeht! Auch ich finde mich in deinem Artikel wieder. Danke!

  2. Oh ja das kommt mir vieles sehr bekannt vor!
    Irgendwie ist es beruhigend zu lesen und ich danke für diesen Artikel.
    Ich unterrichte seit etwa 4 Jahren und beginne gerade auch für Erwachsene und da ist es im Moment genauso“…. Oh toll…. Aber da kann ich nicht“ usw.
    Kopf hoch, atmen, weiter machen 😊

  3. Super geschrieben und mir tatsächlich auch von der Seele …..

  4. Dein Text hätte auch von mir sein können…. allerdings habe ich nach gut 4,5 Jahren aufgegeben…
    Toll, dass DU immer noch dabei bist. Du warst mir immer eine sehr wichtige Inspiration.

  5. Ja das kannte ich auch – damals als ich anfing vor 10 Jahren.
    Nun habe ich begriffen, dass auch Yogis und deren Eltern einen Schweinehund haben und der mit 10er-Karten und Vorabzahlung überlistet werden muss. Wer dann nicht kommt – gern, aber auf SEINE Kosten. Anders geht es nicht.

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