Mit Kindern meditieren

Meditieren darf auch in der Kinderyogastunde nicht fehlen, ist es doch ein wichtiger Teil des Yoga-Pfades. Aber in der praktischen Umsetzung ist es ein Thema, welches erst einmal sehr schwierig erscheint und viele doch abschreckt; dich vielleicht auch? In diesem Beitrag beantworte ich dir deshalb die wichtigsten Fragen zum Thema "Mit Kindern meditieren":

  • Wie erkläre ich Kindern Meditation?
  • Wie begeistere ich Kinder für Meditation?
  • Welche Konzentrationsspanne haben Kinder und Jugendliche?
  • Welche Objekte eignen sich zum Meditieren?
  • Was muss ich in der Praxis beim Meditieren mit Kindern beachten?

Wie erkläre ich Kindern Meditation?

Bevor du in das Thema "Meditieren mit Kindern" einsteigst, solltest du dich mit den Kindern in der Yogastunde erst einmal ausführlich mit dem sogenannten Monkey Mind befassen. Das ist ein tolles Thema für Kinder und durch den symbolischen Affen auch leicht verständlich und kindgerecht zu erklären.

Der Begriff Monkey Mind kommt aus der buddhistischen Lehre und bezeichnet den permanenten, ruhelosen, launenhaften und scheinbar unkontrollierbaren Gedankenstrom unseres Geistes. Genauso so, als würden tausend Affen in einem Baum ständig und ruhelos von einem Ast zum anderen schwingen, springt auch unser Geist unerlässlich von einem Gedanken zum nächsten. Er springt dabei von der Zukunft in die Vergangenheit und wieder zurück und erzeugt dabei Unmengen von Erwartungen, Meinungen, Sorgen und Ängsten. Und dann passiert es auch schon, wir sorgen uns über Dinge, die vielleicht niemals eintreten werden und verzetteln uns in Situationen der Vergangenheit, die nicht mehr zu ändern sind. Gerade Angst ist einer der lautesten Affen! Durch den Monkey Mind verschwenden wir unglaublich viel Energie und können die Gegenwart gar nicht so richtig wahrnehmen.

Hast du mit den Kindern gemeinsam das Thema "Monkey Mind" erarbeitet, kannst du die Erklärung für Meditation im Grunde in einem Satz zusammenfassen:

Mit Meditation wollen wir die unruhigen Affen bezähmen und sie dazu bringen,
einmal kurz auf einem Ast sitzen zu bleiben.

Genau das ist auch die Erklärung, die Buddha seinen Schülern gegeben hat und zeigte ihnen dann, wie man mit Meditation die Affen bezähmen kann. Buddha sagte, es sei nutzlos gegen die Affen zu kämpfen oder sie verbannen zu wollen.  Aber mit Hilfe der Meditation schaffen wir es die Affen zu zähmen und sie werden friedlicher.

Wie begeistere ich Kinder für Meditation?

Durch den Monkey Mind hast du schon mal eine schöne kindgerechte Erklärung für die Meditation. Aber das reicht nicht unbedingt aus, um die Kinder für das Meditieren auch wirklich zu begeistern. Wie begeisterst du also Kinder für die Meditation? Das ist die entscheidende Frage, denn du musst es schaffen, die Neugier der Kinder für die Meditation zu wecken. Hierzu ist es erforderlich erst einmal für dich selbst  eine andere Frage zu beantworten: Welche Wirkungen hat Meditieren? Die Wirkung von Meditation ist vielschichtig und meditieren wirkt sich auf unzählige Arten auf Körper, Geist und Seele aus:

  • Verbesserte Konzentrationsfähigkeit
  • Verbesserte kognitive Fähigkeiten (Zu den kognitiven Fähigkeiten eines Menschen zählen z.B. die Erinnerung, das Lernen, das Problemlösen, die Kreativität, die Imagination und die Argumentation)
  • Verminderte Angstgefühle
  • Verbesserte Gedächtnisleistung
  • Stärkt das Selbstbewusstsein

Das hier sind wirklich nur einige wenige positive Wirkungen von Meditation. Für uns Erwachsene hört sich diese Aufzählung wahrscheinlich schon überzeugend und motivierend an, aber Kinder begeistert man damit definitiv nicht für das Meditieren. Dies gelingt erst, wenn du die positiven Wirkungen von Meditation in einen für Kinder begreiflichen Kontext setzt. Dies schaffst du ganz einfach indem du irgendetwas aufgreifst, was die Kinder interessant finden, wie zum Beispiel ein Hobby. Bei den Jungs sind es ja oft Sportarten wie Fußball, Eishockey oder Basketball und genau daran möchte ich dir erklären, wie du das Interesse für Meditation hier wecken könntest.

Also hier ein kleines Beispiel anhand von Basketball! Was zeichnet einen guten und erfolgreichen Basketballspieler eigentlich aus? Ein gewisses Talent ist hier mit Sicherheit der Grundstein aber nicht ausreichend. Hinzukommen eine gute körperliche Kondition, Ballgefühl, aber vor allem Disziplin, Selbstvertrauen, Motivation, positives Denken, Konzentration, Spielverständnis und strategisches Denken.

This is where the magic happens!

Hier siehst du schon, wie man die Verbindung zwischen Basketball und Meditation hinbekommen kann. Mit Meditation lernt man natürlich nicht irgendwelche ausgefeilten Ball-Techniken oder wie der Ball am Ende am besten im Korb landet, aber Meditation hilft dabei in einem gefühlt schon verlorenen Spiel die Ruhe zu bewahren und positiv zu Denken, konzentriert zu spielen, die eigene Spieltaktik umzusetzen und die des Gegners zu entschlüsseln. Und heute ist es ja auch wirklich kein Geheimnis mehr, das Meditation häufig von Sportlern zur Leistungssteigerung eingesetzt wird.

Das hier war nur ein Beispiel, wie du das Hobby deiner Yoga-Kids mit Meditation in Verbindung bringen kannst. Und es funktioniert wirklich mit allem! Bevor du mit Meditation in der Yogastunde anfängst, finde erst einmal heraus, was die Hobbys der Kinder sind, was sie gerade beschäftigt oder auch besorgt. Häufig sind es auch bevorstehende Klassenarbeiten und auch hier kann man das Thema Meditation wunderbar mit aufgreifen. Versuche die Hobbys und Interessen deiner Yoga-Kids auf diese Weise mit Meditation in Verbindung zu bringen!

Konzentrationsspanne von Kindern und Jugendlichen

Bevor es mit dem Meditieren losgeht, ist es wichtig, dass du dich noch einmal mit der Konzentrationsspanne von Kindern und Jugendlichen zu beschäftigst. Je jünger die Kinder sind, desto kürzer ist auch ihre Aufmerksamkeitsspanne! Die Länge der Aufmerksamkeitsspanne ist u.a. abhängig von der Entwicklung, aber auch den Interessen und der Persönlichkeit des Kindes. Die durchschnittliche Aufmerksamkeitsspanne von Kinder und Jugendlichen beträgt bei:

  • 5-7 Jährigen durchschnittlich 15 Minuten
  • 7-10 Jährigen durchschnittlich 20 Minuten
  • 10-12 Jährigen durchschnittlich 20-25 Minuten
  • 12-14 Jährigen durchschnittlich 30 Minuten

Ich empfehle dir mit Kinder ab ca. 6 Jahren in das Thema Meditation einzusteigen!

Objekte der Meditation

Um den Zustand der Meditation erreichen zu können, ist eine Vorübung notwendig in der man sich auf ein Objekt fokussiert. Durch diese Fokussierung auf ein Objekt wird der Geist zur Einpünktigkeit (Ekagrata) gebracht und so auf die eigentliche Meditation vorbereitet. Was das Meditations-Objekt angeht, sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. In der Regel sind es die folgenden Meditations-Objekte auf die man zurückgreift:

  • Klang
  • Geschmack
  • Duft
  • Atmung
  • Bija Mantren
  • Kerze
  • Mandala
  • Yantra
  • Körperteile

In dieser Phase der Meditation, die in Patanjali's acht-gliedrigem Yoga-Pfad Dharana (Konzentration) genannt wird, geht es darum sich auf ein Objekt zu konzentrieren und dieses bewusst in Bezug auf Farbe, Forme, Gerüche, Geräusche, Geschmack u.ä. (Beurteilung) wahrzunehmen. Hierzu eignen sich auch ganz besonders Gegenstände aus der Natur wie zum Beispiel ein Herbstblatt, ein Kieselstein, eine Blume oder ein Stück Baumrinde. Auch können die Kinder ihr ganz eigenes Meditations-Symbol entwerfen. Gerade solche selbst entworfenen Dinge haben ihre ganz eigene Energie! Das ist auch ein schöner Einstieg in das Meditations-Thema, wenn jedes Kind erst einmal ein Blatt Papier bekommt und so sein ganz persönliches Meditations-Symbol gestalten kann.

Darüber hinaus gibt es auch noch innere Meditations-Objekte wie zum Beispiel die Charken oder Bilder, die durch Visualisierung entstehen.

Praxis-Tipps zum Meditieren mit Kindern

  • Erwarte nicht zu viel! Manche Kinder finden schnell und einfach einen Zugang zur Meditation; andere tun sich eher schwer und das sind meist auch die Kinder, die Meditation wirklich brauchen. Man kann nichts erzwingen und alles kommt zu seiner Zeit. Sei nicht enttäuscht, wenn du es vielleicht nur schaffst, den Samen der Meditation zu sähen, ihn aber nicht direkt zum Erblühen bringst.
  • Zeige niemals Ungeduld oder Enttäuschung, wenn es nicht klappt, denn das macht es für die Kinder noch schwieriger und im schlimmsten Fall lehnen sie die Meditation komplett ab.  Noch wichtiger als das Meditieren selbst, ist deshalb eine angenehme, offene, freundliche und verständnisvolle Atmosphäre zu schaffen. Jedes Kind entscheidet selbst und wenn es heute nicht möchte und die Meditation ablehnt, habe ich es schon häufig erlebt, dass dieses Kind in einer der nächsten Stunde auf einmal doch mit dabei war.
  • Versuche alle Erklärungen und Anleitung einfach und kurz zu halten. Erfahrene Meditationslehrer verwenden beim Anleiten der Meditation sehr sehr wenige Worte. Zu viele Worte können ablenken oder das Bedürfniss auslösen über sie nachdenken zu wollen. Beides lenkt von der Meditation ab und verhindert sie!
  • Gib ausreichend Raum für Diskussionen und Austausch. Es ist extrem wichtig für Kinder, dass sie jederzeit die Möglichkeit haben, über ihre Erfahrungen sprechen zu können.
  • Bevor du mit den Kindern meditieren übst, solltest du selbst deine eigenen Erfahrungen sammeln. Du solltest dich selbst mit dem ausgewählten Meditationsobjekt vertraut machen, mit ihm Spielen und ausprobieren. Ganz wichtig: Fühlst du dich mit einem Meditationsobjekt nicht wohl, dann solltest du es auf keinen Fall in die Kinderyogastunde bringen. Entscheidend ist hier nämlich auch deine eigene Ausstrahlung,  dein Selbstvertrauen und die positive Energie, wenn du etwas unterrichtest. Bist du selbst unsicher und vielleicht unbewusst negativ eingestellt, spüren das die Kinder und es wird nicht funktionieren.

In dem Beitrag "Meditationstechniken für Kinder und Jugendliche" zeige ich dir, welche Meditationstechniken geeignet sind und wie du sie kindgerecht umsetzten kannst.

 

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Bilderquelle: © zhangyang135769 69493299 Fotolia.com

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