Patanjalis 8-gliedriger Pfad – Dharana

Die 6. Stufe des achtgliedrigen Pfades von Patanjali ist Dharana. Im Rahmen von Dharana wird die Konzentration entweder auf ein äußeres Objekt, einen inneren Punkt oder ein inneres Bild fokussiert. Durch diese Fokussierung auf ein Objekt wird der Geist zur Einpünktigkeit (Ekagrata) gebracht und so auf die nächste Stufe des achtgliedrigen Pfades von Patanjali Dhyana (Meditation) vorbereitet. Ohne Konzentration kann die Meditation nie erreicht werden.

Um Kindern den Unterschied zwischen Dharana und Dhyana zu erklären und zu verdeutlichen, liefert Judith Hanson Lasater eine schöne Erklärung. Sie erklärt den Unterschied zwischen Konzentration (Dharana) und Meditation (Dhyana) mit Hilfe von Regentropfen wie folgt:

Die unterschiedlichen Regentropfen repräsentieren unterbrochene, aber immer wiederkehrende Momente konzentrierter Aufmerksamkeit (Dharana). Doch wenn diese einzelnen Regentropfen auf die Erde fallen, dort miteinander verschmelzen und einen Fluss erschaffen, repräsentieren sie Dhyana. Die einzelnen Regentropfen verschmelzen zu einem kontinuierlichen Fluss, genauso, wie die einzelnen Momente von Dharana irgendwann zu einem kontinuierlichen Meditationsfluss verschmelzen werden. 

Dharana kann man auch als kleine Konzentrationsübungen bezeichnen, die unsere Konzentration und Aufmerksamkeit trainieren. Gerade bei Schulkindern gehören Konzentrationsmängel zu den am häufigsten genannten Verhaltensauffälligkeiten: "Die konzentrierte Tätigkeit ist ein wesentliches Merkmal des schulischen Lernens, wodurch die Fähigkeit zur Konzentration daher eine Basisvoraussetzung für schulische Leistungen ist (vgl. Suzanne Augstein)."

Wie bereits angesprochen wird im Rahmen von Dharana die Konzentration entweder auf ein äußeres Objekt, einen inneren Punkt oder ein inneres Bild fokussiert. Hierbei können die Konzentrationsmethoden in 2 Gruppen eingeteilt werden. Zum einen in die Konzentrationsmethode bei der der Blick auf etwas fixiert wird (Drishti Yoga); zum anderen auf die Konzentrationsmethode in der man sich auf ein Mantra konzentriert hier insbesondere auf die sogenannten Bija Mantras (Keim oder Samen Mantras). 

Den Blick auf etwas fixieren (Dristri Yoga)

Den Blick kann man sowohl auf externe Objekte richten wie auch auf interne Objekte. Externe Objekte können z.B. sein: Blume, Kerze, Stein, Mandala, Yantra und vieles mehr. Auch ein selbst gemaltes Bild oder Symbol kann hier verwendet werden.

Innere Objekte auf die der Blick gerichtet werden kann, sind ganz klassisch die Chakren im Körper insbesondere das 3. Auge und das Herzzentrum. Aber auch innere Objekte, die man durch Visualisierung entstehen lassen kann, eignen sich um die Konzentration zu fixieren.

Konzentration mit Bija Mantren

Will man die Konzentration mit Hilfe eines Mantras fixieren, sollte man insbesondere mit Bija Mantren üben. Bija Mantren sind einsilbige Mantren wie z.B. YAM, RAM, LAM oder auch das OM (Ur-Bija-Mantra). Gerade für die Kinderyogastunde eignen sich die Bija Mantren zu den einzelnen Chakren, da man sie mit den passenden Asana schnell und einfach in einen sinnvollen Kontext setzen kann.

  1. Muladhara Chakra: Das Bija ist LAM (vedisch) oder LANG (tantrisch).
  2. Swadhisthana Chakra: Das Bija ist VAM (vedisch) oder VANG (tantrisch).
  3. Manipura-Chakra: Das Bija ist RAM (vedisch) oder RANG (tantrisch).
  4. Anahatha Chakra: Das Bija ist YAM (vedisch) oder YANG (tantrisch).
  5. Vishuddha Chakra: Das Bija ist HAM (vedisch) oder HANG (tantrisch).
  6. Ajna Chakra: Das Bija ist OM (1/3 O und 2/3 M). Hier gibt es keine tantrische Version.
  7. Sahasrara Chakra: Für dieses Chakra gibt es kein Bija Mantra. Der Klang des Sahasrara-Chakra ist der Klang der Stille.

Praxis-Tipps für die Kinderyogastunde

  • Dharana ist ein schönes Thema für die Kinderyogastunde, da das jeweilige Konzentrationsobjekt im Grunde thematisch den roten Faden für die Stunde im Grunde vorgibt. Auf dieser Basis lässt sich schnell und einfach eine Yogastunde zusammenstellen.
  • Das eigentliche Üben von Dharana erfolgt nach der Entspannung in Shavasana. Hierbei ist zu beachten, dass man Shavasana einfach gestaltet, wenn man danach noch Dharana übt. Die Entspannung in Shavasana ist nämlich ebenfalls eine Art Konzentrationsübung! Bei der Gestaltung von Shavasana sollte man deshalb darauf achten die Kinder insgesamt nicht zu überfordern.
  • Bei der Auswahl des Konzentrationsobjektes sind der Fantasie kein Grenzen gesetzt. Schön ist es auch immer, wenn man den Kindern die Möglichkeit gibt, selbst ein Bild oder Symbol zu entwerfen, dass dann als Konzentrationsobjekt dient.
  • Sind die Kinder etwas geübter mit Dharana, kann man dann auch beide Konzentrationsmethoden (Dristri Yoga und Bija Mantren) miteinander kombinieren, indem z.B. das OM getönt wird und der Blick dabei auf die Flamme einer Kerze gerichtet wird.
  • Nach dem üben von Dharana sollte man den Kindern immer die Möglichkeit geben sich auszutauschen und über ihre Erfahrungen zu reden und Fragen zu beantworten.

Das Kurskonzept "Patanjalis 8-gliedriger Pfad  – The Practice of Dharana" ist nur ein Beispiel dafür, wie man das Thema Jugendlichen umsetzten kann. Das Kurskonzept richtet sich an Jugendliche ab 9 Jahre und umfasst 3 vollständig ausgearbeitete und aufeinander abgestimmte Stundenbilder zum Thema Dharana der 6. Stufe von Patanjalis 8-gliedrigem Yoga-Pfad. Zu Beginn der Stunde wird den Jugendlichen das Konzentrationsobjekt vorgestellt. Dieses Konzentrationsobjekt begleitet sie dann auf unterschiedliche Weise durch die Stunde, so dass die Jugendlichen sich mit ihm vertraut machen können. Jede Stunde besteht wie gewohnt aus einer Aufwärmphase, dem Hauptteil und der Entspannungsphase. Im Anschluss an die Entspannungsphase wird dann gezielt Dharana mit dem jeweiligen Konzentrationsobjekt geübt. Als Konzentrationsobjekte dienen in den einzelnen Stunden ein inneres Bild (Visualisierung), ein äußeres Objekt und ein Bija Mantra.

dharana

Bilderquelle: © Konstantin Yuganov 101450120 Fotolia.com

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