Mudras – Yogische Handgesten.

Ein Mudra (Sanskrit: Mudra = Siegel) ist eine Handgeste, Handstellung oder Handbewegung. Mudras kommen aus dem Hinduismus und dem Buddhismus. Deshalb zeigen viele Bilder und Statuen von indischen Göttern eine bedeutungsvolle Handhaltung. Mudras  sind ein wichtiger Teil in der Yoga-Praxis. Sie haben nicht nur eine symbolische Bedeutung, sondern wirken auch auf den Energiefluss in unserem Körper und auf unsere Stimmung. Am bekanntesten sind Mudras, die mit Händen und Fingern geformt werden. Allerdings kann man Handhaltungen mit besonderer Bedeutung auf der ganzen Welt finden wie zum Beispiel Daumen hoch oder das Peace-Zeichen. Zudem setzt fast jeder Mensch in seinem Alltagsleben Gesten zur Kommunikation ein und bildet so auch unbewusst Mudras. 

Mudras sind immer auch ein schönes Thema für die Yogastunde mit Kindern und Teenagern. Kinder lieben Fingerspiele. Egal ob bei den kleinsten in der Spielgruppe oder später im Kindergarten, Fingerspiele dürfen einfach nicht fehlen. Und das gleiche gilt hierbei auch für die Kinderyogastunde. Viele Fingerspiele lassen sich ganz einfach abwandeln und können so auch passend in der Yogastunde eingesetzt werden. Aber neben den klassischen Kinder-Fingerspielen gibt es auch noch Mudras, die sich ebenfalls wunderbar hierfür eignen. Die kleinsten Yogis haben mit Mudras einfach ganz viel Spaß, die Jugendlichen im Yoga finden sie cool.

Stundenbilder zum Thema Mudras.

Mudras können eigenständig geübt werden oder in Verbindung mit Asana und Affirmationen. Für die Yogastunde mit Jugendlichen habe ich vor längerem verschiedene Stundenbilder zum Thema Mudras geschrieben. Für jedes Stundenbild habe ich jeweils 3 Mudras ausgewählt und die Stunden dann um diese Mudras herum aufgebaut.

Mudras Teil 1 - Yogische Handgesten: Anjali Mudra, Ksepana Mudra und Ganesha Mudra

  • Das wohl bekannteste Mudra ist Anjali Mudra auch Gebetshaltung oder Namasté-Haltung genannt. Dieses Mudra ist Symbol für Respekt und Frieden. Bei Begrüßungen im indischen Kulturraum zeigt diese Geste die Ehrfurcht und den Respekt vor dem Göttlichen im Menschen. Das Mudra wird entweder mit den Händen in Höhe des Herzens oder in Höhe des dritten Auges gehalten (Ajna-Chakra).
  • Beim Ksepana Mudra sind kleiner bis Mittelfinger miteinander verschränkt. Die beiden Zeigefinger sind gestreckt und liegen aneinander; die beiden Daumen sind übereinander gekreuzt und liegen auf. Es ist egal welcher Daumen oben liegt. Das Ksepana Mudra gilt als Geste des Loslassens. Es verringert Anspannung und negative Energie und sorgt für frische und positive Energie.
  • Beim Ganesha Mudra wird die linke Hand so vor der Brust gehalten, dass die Handfläche nach außen zeigt. Die rechte Hand greift dann in die linke Hand, wobei die rechte Handfläche zum Körper hinzeigt. Die Hände werden in der Höhe des Herzens gehalten. Mit dem Einatmen werden die Hände auseinander gezogen, aber ohne dabei loszulassen. So spannen sich die Muskeln in der Brust und in den Oberarmen an. Mit dem Ausatmen alle Anspannung gehen lassen. Das Ganesha Mudra soll 6 Mal wiederholt werden, dann wird die Seite gewechselt, d.h. die rechte Hand wird so vor der Brust gehalten, dass die Handfläche nach außen zeigt. Die linke Hand greift dann in die rechte Hand, wobei die linke Handfläche zum Körper hinzeigt. Dann werden wieder 6 Wiederholungen gemacht. Das Ganesha Mudra ist nach einer hinduistischen Gottheit benannt. Ga-nesha ist eine der prominentesten und beliebtesten Gottheiten der Hindus. Er ist der Gott des Wissens und derjenige, der uns Hindernisse und Probleme aus dem Weg räumt. Das Ganesha Mudra gibt uns Mut, Vertrauen und Offenheit gegenüber Menschen, Situationen und Ideen. Es wirkt auch auf das Anahata Chakra (Herzchakra).

Mudras Teil 2 - Yogische Handgesten: Padma Mudra, Gyan Mudra und Dhyana Mudra

  • Bei Padma Mudra werden die Hände vor dem Herzen zusammen in etwa 5 cm Abstand zum Körper gehalten, so dass sich die Handgelenke berühren. Dann werden die Finger auseinander und nach oben gestreckt, so dass sie einen Kelch oder eine Lotusblüte bilden. Die Handgelenke bleiben dabei fest aneinander. Padma bedeutet Lotusblume. Das Leben einer Lotusblume beginnt in den dunklen schlammigen Tiefen eines Teiches. Während die Lotusblume wächst steigt sie nach oben durch das klare Wasser in Richtung des Lichtes, unbe-einflusst von ihrer dunklen Umgebung. Sie erreicht die Wasseroberfläche perfekt und wunderschön. Jeden Tag aufs Neue geht die Lotusblüte im düsteren Wasser auf und entfaltet ihre Blätter, um die Energie der Sonne aufzunehmen. Das Padma Mudra wird dem Herzchakra zugeordnet und steht für den Neuanfang, Reinheit, Liebe schenken und Liebe empfangen. Genauso wie sich die Lotusblüte jeden Tag aufs Neue entfaltet, so können auch wir uns jeden Tag von neuem entfalten, unser Herz öffnen, Liebe schenken und Liebe empfangen. Das Padma Mudra hilft insbesondere in Situationen in denen wir uns leer, ausgenutzt, missverstanden oder einsam fühlen.

  • Verbinde für das Gyan Mudra die Daumenkuppe mit der Zeigefingerkuppe. Die anderen Finger sind ausgestreckt und entspannt. Der Druck zwischen Daumen und Zeigefinger sollte angenehm sein. Je nachdem wie die Finger beim Gyan Mudra gehalten werden gibt es für dieses Mudra noch 2 weitere Bezeichnungen Chin Mudra und Jnana Mudra. Variante Chin Mudra (Geste des Wissens): Bei Chin Mudra zeigen die Handflächen nach unten. Der Daumen berührt den Zeigefinger in der Grube des ersten Fingergliedes. Variante Jnana Mudra (Geste des Bewusstseins): Bei Jnana Mudra liegen die Hände locker auf den Oberschenkeln und die Handflächen zeigen nach oben. Das Gyan Mudra ist dem Wurzelcharka zugeordnet. Es wirkt entspannend und klärt den Geist und hilft so bei Unruhe, Anspannung, Depression oder schlechter Laune.

  • Für das Dhyana Mudra werden die Hände wie Schalen in den Schoß gelegt, wobei die linke Hand auf der rechten liegt. Beide Daumen berühren sich an den Spitzen. Die Hände symbolisieren dabei eine Schale und die Daumen bilden den Henkel der Schale. Das Dhyana Mudra symbolisiert die innere Versenkung, Konzentration und Meditation und wird die deshalb auch Meditationsgeste genannt. Dieses Mudra hilft uns dabei Dinge loszulassen.

Mudras Teil 3 - Yogische Handgesten: Pran Mudra, Uttarabodhi Mudra und Ushas Mudra

  • Für das Pran Mudra werden die Spitzen von Daumen, Ringfinger und kleinem Finger mit sanftem Druck aneinander gelegt. Zeige- und Mittelfinger werden gestreckt. Die Hände liegen dabei locker auf den Oberschenkeln und die Schultern sind entspannt! Das Pran Mudra hilft bei Antriebsschwäche, reduziert Müdigkeit und Nervosität und macht den Kopf frei. Auf der geistig-seelischen Ebene schenkt das Pran Mudra Durchhaltewillen, Durchsetzungskraft und ein gesundes Selbst-vertrauen, Das Pran-Mudra aktiviert zudem das Wurzelchakra (Muladhara Chakra).
  • Bei Uttarabodhi Mudra werden die Hände verschränkt. Dann werden die Zeigefinger gestreckt und aneinandergelegt. Gleiches mit den Daumen tun. Die Zeigefinger weisen Richtung Himmel und die Daumen Richtung Brustbein. Das Mudra wird in Höhe des Solarplexus gehalten. Das Uttarabodhi Mudra hilft vor allem bei Konzentrationsstörungen und geistigem Stress. Es gibt Körper und Geist neue Energie.

  • Ushas Mudra: Die Hände werden verschränkt, so dass der rechte Daumen über dem linken liegt und leicht auf diesen drückt. Das Ushas-Mudra hilft vor allem bei Müdigkeit und ist deshalb ein ideales Mudra für den Start in einen neuen Tag. Es gibt Körper und Geist neue Energie, Frische und Klarheit. Zudem unterstützt es bei Problemen in der Pubertät.

Hilfsmittel für die Yogastunde.

Wenn du mit Mudras in der Yogastunde arbeiten möchtest, ist das Kartenset Mudras - Yoga für die Hände von Andrea Christiansen eine tolle Ergänzung, die ich dir an dieser Stelle gerne empfehle. Das Set enthält 45 Mudra-Karten. Auf der Vorderseite wird das Mudra gezeigt. Die Rückseite enthält eine kurze Übungsanleitung für das jeweilige Mudra, eine Auflistung von Wirkung und Anwendungsmöglichkeiten, sowie ein Hinweis auf welches Chakra das Mudra wirkt. Durch ihre Größe im Format 12 x 8,5 cm und ihre übersichtliche, illustrierte Darstellung eignen sich die Karten ideal für den Einsatz in der Yogastunde mit Kindern und Teenagern. Aber auch im Rahmen der Kurs- und Stundenvorbereitung habe ich diese Karten schnell zu schätzen gelernt!

Das Kartenset wird zusammen mit einem kleinen ergänzenden Büchlein geliefert, dass die folgenden Kapitel enthält:

  • Wissenswertes über Mudras
  • Mudras im Alltag
  • Mudras und Chakras
  • Mudras von A bis Z

Besonders wertvoll finde ich hier das Kapitel "Mudras und Chakras" in dem man ganz schnell die passenden Mudras zu den einzelnen Chakren findet. Zudem gibt es am Anfang des Buches viele Tipps und Anregungen, wie man die Karten nutzen kann und wie man mit ihnen "spielen" kann. Allein mit diesen Ideen kann man schon einige Yogastunden füllen. 

*Beitrag enthält Affiliate-Links.
**Werbung: Das Buch "Mudras - Yoga für die Hände" wurde als Rezensionsexemplar vom Irisana Verlag zur Verfügung gestellt. In diesem Zusammenhang gilt: Dieser Artikel spiegelt meine eigene und vor allem ehrliche Meinung wider und was mich nicht überzeugt, landet nicht auf dem Blog.
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