Patanjalis 8-gliedriger Pfad im Kinderyoga – Asana

Die 3. und mit Sicherheit bekannteste Stufe in Patanjali’s 8-gliedrigem Pfad ist Asana. Jeder der mit Yoga beginnt, egal ob groß oder klein, kommt zuerst einmal mit Asana den sogenannten Yoga-Übungen oder Körper-Übungen in Kontakt. Gerade auch im Kinderyoga ist das erst einmal der einfachste Einstieg indem auf spielerische Art und Weise Asana mit Spielen und Geschichten verbunden werden.

In der wörtlichen Übersetzung aus dem Sanskrit bedeutet Asana so viel wie Sitzplatz und Wohnsitz. Die Beschreibung als Wohnsitz bezieht sich auf den menschlichen Körper, der das Haus für unseren Geist, unsere Seele und unsere Lebenskraft ist. Die Bezeichnung Sitzplatz leitet sich aus den fünf Hauptsitzstellungen ab. Diese dienen als Basis für alle anderen Körperhaltungen. Die fünf Hauptsitzstellungen heißen:

  • Padmasana (Lotusitz)
  • Svastikasana (Haltung des Wohlwollens / kreuzbeinige Sitzhaltung)
  • Bhadrasana (Schmetterling)
  • Vajrasana (Fersensitz)
  • Virasana (Heldensitz)

Im Yoga Sutra schreibt Patanjali in Vers 2.46 folgendes: Asana ist eine stabile und angenehme Körperhaltung.

Es hört sich vielleicht einfach an, aber in wie vielen Positionen fühlen wir uns wirklich wohl und stabil? Sobald wir in einer bestimmten Position sitzen, spüren wir einen kleinen Krampf hier und etwas Schmerz dort. Wir müssen uns in die eine oder die andere Richtung bewegen. Ununterbrochen werden wir an unsere Beine, Hände, Hüften oder die Wirbelsäule erinnert. Durch langes Sitzen in der Schule klagen bereits Kinder und Jugendliche über Verspannungen und versteifte Muskeln. Hinzu kommt geistige Anspannung, die ebenfalls den Körper beeinflusst.

Das Üben von Asana dient zum einen dazu den Körper fit und gesund zu halten. Denn nur wenn der Körper gesund und geschmeidig ist, kann er sich so bewegen, wie das Leben es erfordert. Aber der Hauptzweck von Asana ist die weiteren Stufen des Yoga besser praktizieren zu können. Die letzten beiden Stufen des Pfades von Patanjali, Meditation (Dhyana) und Harmonie (Samadhi), können uns nur erreichen, wenn wir es schaffen unseren Körper zu vergessen.

Eine schöne Erklärung für Kinder ist hier die folgende kleine Geschichte:

Es gibt eine Geschichte über ein Gespräch zwischen einem Büschel Gras und einem großen Baum. Beide wuchsen im Dschungel am Ufer eines schnell fließenden Flusses. Eines Tages schaute der Baum nach unten zu dem winzigen Grasbüschel und sagte: „Hey du winzige kleine Kreatur, warum stehst du so nah neben mir? Schämst du dich nicht neben mir zu stehen? Schau wie groß und breit ich bin. Wie stark, kräftig und fest. Sogar ein Elefant kann mich nicht bewegen. Aber schau dich an. Du wärst besser nicht hierhergekommen. Die Leute werden den Unter-schied sehen und dich auslachen. Warum gehst du nicht woanders hin.“

Das Gras beugte seinen Kopf und sagte: „Herr, was kann ich tun? Ich bin nicht absichtlich hierhergekommen. Es ist einfach so passiert, dass ich hier bin. Ich weiß, ich bin nicht so stark und stabil wie du. Entschuldige, dass ich hier bin.

„Ist schon gut, brummte der Baum, aber vergiss nicht wo dein Platz ist.“

Dieses Gespräch zwischen dem Baum und dem Büschel Gras fand während der Regenzeit statt. Am nächsten Tag regnete es stark, wodurch der Dschungel über-schwemmt wurde und eine entsetzliche Flut entstand. Wenn ein Fluss über die Ufer tritt, trägt er das Ufer ab und reißt alles was sich ihm in den Weg stellt mit. Der Fluss hatte so eine reißende Kraft, dass er auch den großen, stabilen Baum am Ufer mitriss. Das Gras jedoch beugte sich nieder und ließ das Wasser einfach über sich hinweg fließen. Als die Flut vorbei war stellte sich das Gras wieder auf. Es schaute um sich herum und wunderte sich: „Was ist mit dem großen Baum passiert? Ich kann ihn nicht mehr sehen?“ Von sehr weit weg, hörte es die Antwort des Baumes: „Ich wurde vom dem Wasser niedergerissen. Ich hätte so wie du sein sollen: bescheiden, einfach und biegsam. Nun bin ich zerstört.“

(Herkunft: Unbekannt)

Unterrichten von Asana in der Praxis

Auf den ersten Blick erscheint die 3. Stufe auch was das Unterrichten angeht relativ einfach. Aber es gibt eine unglaubliche Vielzahl an unterschiedlichen Asana, bei denen man leicht den Überblick verlieren kann. Je nach Yoga-Richtung variiert die Anzahl der Asana sehr stark. Die Bandbreite reicht von 26 über 32, 85, 104 bis hin zu ein paar Millionen, je nachdem, welche Asana gezählt werden. Grundsätzlich lassen sich die Asana in folgende Gruppen einteilen:

  • Vorbeugen
  • Rückbeugen
  • Seitbeugen
  • Umkehrhaltung
  • Gleichgewichtshaltungen
  • Drehhaltungen
  • Hüftöffnende Übungen

Eine weitere Unterteilung kann nach folgenden Gesichtspunkten erfolgen:

  • Stehend
  • Kniend
  • Sitzend
  • Rückenlage
  • Bauchlage

Für die Yogastunden mit Kindern eignen sich wiederum nur bestimmte Asana. Gerade bei jüngeren Kindern sollte man z.B. auf intensive Rückbeugen oder Drehhaltungen verzichten. Bei der Vielzahl von Asana die es gibt und die sich zum Teil nur in winzigen Details voneinander unterscheiden, kann man schnell mal den Überblick verlieren. Deshalb könnt ihr euch hier kostenlos ein Asana-Verzeichnis downloaden. Dieses Verzeichnis gibt einen Überblick über die Asana, die sich für die Yogastunden mit Kindern am besten eignen. Zudem ist es ein Hilfsmittel für das Lesen der Stundenbilder von Karma Kids Yoga und für all diejenigen geeignet, die gerade erst mit der Kinderyogalehrer-Ausbildung fertig sind und einfach noch keinen Überblick über all die unterschiedlichen Asana haben. In dem Verzeichnis ist jede Asana ist durch ein Strichmännchen bildlich dargestellt. Zudem sind der deutsche Name der Asana und der Sanskrit Name aufgeführt, sowie Vorschläge für weitere Namen der Asana speziell im Kinderyoga.

Gerade für Kinder die schon länger zum Yogakurs kommen und auch Teenager ist eine schöne Abwechslung, die Asana zu einer Vinyasa-Sequenz zu kombinieren. Das Sanskrit-Wort Vinyasa ist eine Kombination aus den Wörtern „Nyasa“ und „Vi“. Nyasa bedeutet Stellung, Lage, Anordnung; Vi bedeutet „auf eine bestimmte Art. Mit dem Wort Vinyasa wird also eine fließende, dynamische Form von Yoga beschrieben, die die Asana in einer bestimmten Sequenz anordnet und dabei Bewegung und Atmung in Verbindung bringt. Genau diese Kombination verleiht Vinyasa Yoga seinen ganz eigenen Rhythmus.

 

patanjali asana

 

Bilderquelle: © BanksPhotos 9647177  iStockphoto.com

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