Patanjalis 8-gliedriger Pfad im Kinderyoga – Asteya

Das dritte der fünf Yamas in Patanjalis 8-gliedrigem Pfad ist Asteya. Steya bedeutet Stehlen; Asteya ist das Gegenteil davon und bedeutet Nicht-Stehlen. Grundsätzlich besagt Asteya nichts zu nehmen, was einem nicht gehört. Hier denkt man natürlich direkt an das Stehlen materieller Dinge, was aber nur ein kleiner Aspekt von Asteya ist, denn Stehlen kann man grundsätzlich fast alles. Manchmal stehlen wir, obwohl es gar nicht unsere Absicht war, wir stehlen ohne es zu merken. Wir bestehlen andere, wir bestehlen aber auch uns selbst.

Was wir zum Beispiel von anderen stehlen können:

  • Materielle Dinge: Wir können mit Absicht in einem Geschäft etwas mitnehmen ohne es zu bezahlen. Das ist der klassische Diebstahl. Wir können uns aber auch von einem guten Freund oder einer guten Freundin etwas ausleihen, sind unachtsam und vergessen es zurückzugeben. Wir gehen mit geliehenen Sachen nicht sorgfältig um, beschädigen sie oder machen sie kaputt. Auch das bedeutet Stehlen!
  • Zeit: Auch Zeit kann gestohlen werden, wenn man z.B. jemanden warten lässt oder einfach versetzt.
  • Aufmerksamkeit: Aufmerksamkeit stehlen ist ein klassisches Beispiel aus der Kinderyogastunde, wenn die Kinder sich z.B. nicht gegenseitig zuhören, sondern immer unterbrechen und selbst erzählen wollen.
  • Die Erde: Wir stehlen die Erde, wenn wir nicht sorgfältig und achtsam mit ihr umgehen, unseren Müll nicht ordnungsgemäß entsorgen oder versuchen Müll zu vermeiden.
  • Gute Laune: Ja, auch gute Laune kann man stehlen, wenn man seine eigene schlechte Laune an anderen auslässt.
  • Vertrauen: Man kann auch Vertrauen stehlen (missbrauchen).
  • Taten: Ja, auch Taten kann man stehlen: Jemand anderes macht die Arbeit und man selbst gibt diese Arbeit als seine eigene aus. Das ist Diebstahl!

Was wir zum Beispiel von uns selbst stehlen können:

  • Lebensfreude: Wenn wir uns immer nur auf das Negative in unserem Leben konzentrieren, stehlen wir uns damit selbst die Lebensfreude.
  • Gegenwärtiger Moment: Wir ärgern uns über Dinge, die in der Vergangenheit passiert sind und haben Angst vor der Zukunft. Auf diese Weise stehlen wir uns selbst den gegenwärtigen Moment.
  • Einzigartigkeit und Selbstvertrauen: Wir vergleichen uns ständig mit anderen, die angeblich alles besser machen oder beliebter sind. Auf diese Weise stehlen wir uns selbst unsere Einzigartigkeit und das Selbstvertrauen.
  • Gesundheit: Durch ungesunde Ernährung oder zu wenig Bewegung stehlen wir uns unsere Gesundheit.

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Asteya in der Kinderyogastunde

Wie kannst du nun Asteya als Thema in der Kinderyogastunde umsetzten? In einem ersten Schritt macht es Sinn, dass du erst einmal den Kindern erklärst was Asteya bedeutet. Wichtig dabei ist, dass du dabei verdeutlichst, dass der Diebstahl von Dingen nur ein winziger Aspekt von Asteya ist. Zudem kann man nicht nur andere Menschen bestehlen kann, sondern auch sich selbst.

Im zweiten Schritt kannst du dann gemeinsam mit den Kindern herausfinden, was man noch von anderen oder sich selbst stehlen kann. Du glaubst gar nicht, was die Kinder hier alles für Ideen haben! Zudem ist es schön, wenn du für diesen Schritt ein großes Blatt Papier und ein paar Buntstifte zur Hand hast. Auf das Blatt Papier können gemeinsam Symbole für alles gemalt werden, was sonst noch gestohlen werden kann.

In einem dritten Schritt geht es dann an die praktische Umsetzung von Asteya auch, d.h. wir stehlen nicht voneinander, sondern beschenken uns ganz bewusst. Hier einige Beispiele:

  • Wir schenken uns Bewegung durch eine kleine Asana-Sequenz, um nicht unsere Gesundheit zu stehlen.
  • Jedes Kind sucht sich einen Partner, um mit ihm gemeinsam eine herausfordernde Asana wie z.B. den Handstand (Vrikshasana) zu üben. Das Kind, das die Hilfestellung gibt, schenkt so Aufmerksamkeit und Unterstützung.
  • Wir teilen einen Apfel als Symbol für die gesunde Ernährung, die wir uns selbst schenken und nicht stehlen wollen.
  • Jedes Kind erzählt von einer Situation in der es einmal etwas "gestohlen" hat oder "bestohlen" wurde. Die anderen Kinder hören zu und schenken so Aufmerksamkeit. Zwischenreden soll vermieden werden, um so keine Aufmerksamkeit von anderen zu stehlen.
  • Wir üben Affirmationen in Kombination mit Asana, um uns so positive Gedanken zu schenken und nicht mit negativen uns selbst das Selbstvertrauen zu stehlen.

Asteya in der Yogastunde mit Jugendlichen

Auch für die Yogastunde mit Jugendlichen ist Asteya ein interessantes Thema. Genauso wie im Kinderyoga steht für mich die ausführliche Erklärung von Asteya auch im Teenageryoga an erster Stelle. Hierfür habe ich ein eigenes Arbeitsblatt entworfen, um das Thema mit den Jugendlichen gemeinsam erarbeiten zu können. Danach erfolgt die praktische Umsetzung und Vertiefung mit Mudras, herzöffnenden Asana-Sequenzen, Affirmationen und Partner-Übungen weiter vertieft.

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Bilderquelle: © AZemdega  5145500 iStockPhoto.com

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