Eltern-Kind-Yoga im Spielkreis

Wenn du schon einmal Eltern-Kind-Yoga für die Kleinsten Yogis (Altersgruppe 1 bis 3 Jahre) angeboten hast, dann hast du vielleicht auch schon die Erfahrung gemacht, dass ein solcher Kurs eine echte Herausforderung sein kann. Beim Eltern-Kind-Yoga wird man nicht nur mit den Kinder konfrontiert, sondern auch mit deren Müttern und mit der Kombination aus Mutter und Kind, d.h. du musst nicht nur mit Mutter und Kind als Einzelpersonen umgehen können, sondern auch mit dem Zusammenspiel aus Mutter und Kind.

Wie geht man am besten mit Situationen um, in denen Mütter ununterbrochen auf ihre Kinder einreden doch bitte mitzumachen oder die Mütter anstrengender sind als ihre Kinder? Vielleicht stehst du aktuell genau vor diesen Problemen und weißt nicht, wie du sie lösen sollst. Oder vielleicht bist du bereits an ihnen gescheitert und bietest deshalb gar kein Eltern-Kind-Yoga für diese Altersgruppe mehr an.

Think outside the box

Gerne würde ich dir eine pauschale Antwort auf die oben genannten Fragestellungen geben oder einen Praxis-Tipp, der auf jeden Fall immer funktioniert. Aber ich habe weder eine Antwort noch einen Praxis-Tipp. Dafür möchte ich dir aber einen alternativen Weg vorstellen mit dem du trotzdem diese Altersgruppe mit einem Eltern-Kind-Kurs abdecken kannst. Als Vorbild habe ich mir hier einen klassischen Spielkreis genommen, der sich ja in der Regel an Kinder im Alter von 1-3 Jahren mit Begleitperson richtet. Also genau die Zielgruppe, wie ich sie auch für die Eltern-Kind-Yogastunde haben möchte.

Die optimale Dauer eines Spielkreises liegt für mich bei 90 Minuten. Das hört sich jetzt erst mal unglaublich lange an, ist es aber für diese Kursart nicht. Von den 90 Minuten benötigst du für die Anfangs- und Schlussphase, sowie das Aufbauen und spätere Aufräumen schon mal gute 30 Minuten. Aufbauen und Aufräumen werden in einem Spielkreis immer gemeinsam erledigt. Für das freie Spiel bleibt dann etwa 1 Stunde übrig.

Für die Anfangs- und Schlussphase ist es jetzt ähnlich wie in einer normalen Eltern-Kind-Yogastunde, denn auch ein Spielkreis sollte immer die gleiche Struktur haben, dem gleichen Ablauf folgen und ein Thema haben. In der Anfangsphase des Spielkreises findet die Begrüßung (Anfangsritual) statt. Zudem kann die Anfangsphase mit Bewegungsspielen, Yoga-Übungen und Asana passend zum Thema gestaltet werden. In der Schlussphase wird der Spielkreis mit dem immer gleichen Abschluss-Ritual beendet. Darüber hinaus kannst du in die Abschluss-Phase auch noch einige ruhigere Asana und Yoga-Übungen einfließen lassen. Anfangs- und Schlussphase sollten jeweils maximal 15 Minuten dauern.

Zwischen Anfangs- und Schlussphase schiebst du dann die Phase des freien Spielens ein. Wichtig ist, dass erst nach der Anfangsphase, die Spielsachen gemeinsam aufgebaut werden. Hiermit beginnt die Zeit des freien Spielens. Du denkst jetzt vielleicht, dass du jede Menge hochwertige und teure Spielsachen dafür brauchst. Dies ist aber nicht der Fall! Natürlich ist es schön, wenn man Sachen wie zum Beipsiel ein Pikler Dreieck oder Montessori Materialien zur Verfügung hat, aber das ist definitiv kein Muss. Was das Spielzeug angeht gilt sowieso die Devise: Weniger ist mehr! In einem Spielkreis, den ich mal mit meiner Tochter ausprobiert hatte, habe ich es erlebt, dass die Kinder so viele Spielsachen zur Verfügung hatten, dass sie komplett überfordert waren. Und auch eine liebe Leserin, die mir die Tage noch zu dem Thema geschrieben hatte berichtete, dass sie eine ähnliche Erfahrung gemacht hat. Kaum waren alle Spielsachen weggeräumt, haben die Kinder ganz toll miteinander gespielt.

Also, was die Spielsachen angeht, solltest du es wirklich einfach halten: Eine Kiste mit Holz-Bauklötzen (gibt es immer wieder bei den Discountern günstig), Ziehtiere, bunte Jongliertücher, aber auch selbst gebastelte Sachen wie Fühlsäckchen und Raschelflaschen.

Wichtig in der Phase des freien Spielens ist folgendes: Freies Spielen bedeutet innerhalb bestimmter Rahmenbedingen ohne Vorgaben spielen zu dürfen. Die Kinder wählen ihren Spielort im Raum Selbstständig aus. Sie entscheiden, was und mit wem sie spielen möchten. Im Rahmen der vorgegebenen Möglichkeiten bestimmen sie die Spielsache, den Verlauf und die Dauer des Spiels selbst. Vielleicht möchten sie auch einfach gar nichts spielen und nur beobachten!

Die Zeit des freien Spielens ist nicht nur für die Kinder eine wichtige Phase, sondern auch für die Mütter. Die Mütter sollten sich in dieser Zeit zurückziehen. Dabei geht es nicht darum den Raum zu verlassen, sondern sich an den Rand zurückzuziehen, zu beobachten und durchzuatmen. Hier ist man dann auch in seiner Rolle als Kinderyogalehrerin / Spielkreisleiterin gefragt, denn Ziel ist es natürlich eine harmonische Gruppe von Mütter zu haben. In einem Spielkreis ist es wie in anderen Eltern-Kind-Kursen: Die Mütter müssen miteinander harmonieren! Nur dann funktioniert es langfristig, alle sind regelmäßig dabei und freuen sich über nachfolgende Kurs-Angebote, die die Gruppe nicht auseinanderreisen.

Manchmal hat man Glück und hat Mütter, die von ihren Persönlichkeiten sowieso schon gut zusammenpassen. Hat man Mütter mit ganz unterschiedlichen Persönlichkeiten, ist das dann eine nicht ganz einfache Aufgabe. Auch muß man damit rechnen, dass Mütter wieder den Spielkreis verlassen, weil es einfach insgesamt nicht passt. Dies ist aber ein ganz normaler Prozess, der Zeit, Geduld und Ausdauer erfordert! Im Verlauf des Spielkreises können sich im Optimalfall dann sowohl bei den Müttern wie auch bei den Kindern wirkliche Freundschaften entwickeln, die auch noch Bestand haben, wenn die Kinder schon lange dem Spielkreis entwachsen sind.

Ein Spielkreis kann nicht nur eine schöne und interessante Ergänzung zu deinem Kinderyoga-Kursprogramm sein, sondern er bietet dir zudem die Möglichkeit wunderbar Kontakte knüpfen, was für das eigene Yoga-Business immer wichtig ist!

 

Spielen ist die Arbeit eines Kindes.
~ Maria Montessori

eltern-kind-yoga

 

Bilderquelle: © goodmoments 169258583 Fotolia.com

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