Herausforderung angenommen: Yoga für Jugendliche

Kinder für Yoga zu begeistern ist in der Regel eine einfache Sache. Kinder sind von Natur aus neugierig, offen und saugen Neues auf wie ein Schwamm. Jugendliche sind auf den ersten Blick scheinbar genau das Gegenteil: verschlossen, abgeneigt, gelangweilt.

Jugendliche befinden sich in einer besonderen und entscheidenden Entwicklungsphase der sogenannten Pubertät. Sie beginnt ca. zwischen dem 10. und 16. Lebensjahr und dauert einige Jahre. In dieser Lebensphase verändert sich fast alles: der Körper, die Gefühle, das Denken und die Beziehungen. Freunde werden noch wichtiger, andere Bezugspersonen werden unwichtiger. Die Jugendlichen bilden sich ihre eigene Meinung, die aber vielleicht nicht jedem gefällt, ihre Interessen verändern sich, gesetzte Grenzen werden lästig.

Yoga für Jugendliche zu unterrichten hört sich danach erst einmal nach einer riesigen Herausforderung an. Und ja, es ist auch eine Herausforderung, aber dennoch lohnt es sich diese anzunehmen. Es gibt natürlich immer verschiedene Wege, wie man an ein Thema herangehen kann. Und so ist aus auch bei Yogakursen für Jugendliche. Im Folgenden möchte ich dir einige Praxis-Tipps aus meiner persönlichen Erfahrung geben, die sich für mich in den letzten Jahren im Unterrichten von Teenageryoga bewährt haben:

Für die erste Yogastunde mit einer Gruppe von Jugendlichen, die sich irgendwie in den Yogakurs verirrt haben, solltest du grundsätzlich nichts vorbereiten. In dieser ersten Stunde geht es nur darum die Jugendlichen kennenzulernen und mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Finde heraus, was sie interessiert, welche Hobbys sie haben, was ist gerade In und was ist Out, was beschäftigt sie usw. Versuche in dieser ersten Stunde einfach zuzuhören, gib den Jugendlichen das Gefühl, dass sie ernst genommen werden, ganz egal, was sie dir erzählen, frag nach, interessier dich auch für Details.

Nach dieser ersten Stunde wirst du unglaublich viele Informationen haben und genau diese sind der Schlüssel zum Erfolg. Die Jugendlichen werden dir mit Sicherheit von ihren Hobbys erzählt haben. Oft wird hier von Fußball erzählt, sei es, dass jemand selbst Fußball spielt, Fan von einem Verein oder einem bestimmten Fußball-Spieler ist. Deshalb möchte ich dir auch am Beispiel von Fußball erklären, wie du eine Verbindung zwischen Fußball und Yoga herstellst und so das Interesse der Jugendlichen an Yoga wecken kannst. This is where the magic happens!

Um ein guter Fußball-Spieler zu sein ist es nicht ausreichend eine top Kondition und ein gutes Ballgefühl zu haben. Ein wirklich guter Fußballer ist während eines Spiels extrem konzentriert, aufmerksam, kann gut mit stressigen Situationen umgehen, denkt immer positiv auch wenn der Gegner stärker ist oder das Spiel zu gewinnen aussichtslos. Zudem profitieren Fußballer nicht nur von einem guten Ballgefühl, sondern auch das eigene Körpergefühl spielt eine wichtige Rolle. An dieser Stelle siehst du vielleicht schon die Parallelen und wie du hier Yoga ins Spiel bringen kannst. Mit Yoga lernt ein Fußball-Spieler nicht unbedingt aus welchem Winkel er am besten den Ball ins Tor schießt, aber mit Asana trainiert und stärkt er das eigene Körpergefühl. Meditations- und Achtsamkeitsübungen steigern seine Konzentrationsfähigkeit. Durch Affirmationen und Visualisierungsübungen lernt er positives Denken und Motivation, Entspannungsübungen helfen ihm dabei auch in stressigen Situationen auf dem Platz den Überblick zu behalten.

Hier noch ein paar weitere Beispiele, wie du aus dem, was die Jugendlichen dir erzählen eine Verbindung zu Yoga herstellen kannst:

Mädchen erzählen oft vom Reiten als Hobby. Auch hier sind Konzentrationsfähigkeit und Körpergefühl extrem wichtig. Viele Jungs spielen am liebsten den ganzen Tag Computer-Spiele. Auch hier sind Konzentration, Ausdauer und eine gesunde Rücken- und Nackenmuskulatur durchaus von Vorteil. Zudem ermüden die Augenmuskeln schnell durch das andauernde Starren auf den Bildschirm. Yoga-Übungen für die Augen oder die Augenreinigungsübung Tratak trainieren die Augenmuskeln. Jugendlichen gehen gerne ins Kino und haben Lieblingsfilme. Werden hier als Lieblings-Filme die Star Wars Filme angesprochen hast du den Jackpot. Star Wars strotzt geradezu vor Yoga-Philosophie! Aber auch der Krach mit der besten Freundin oder dem besten Freund kannst du mit Yoga (Yamas) in Verbindung bringen.

Du siehst anhand der Beispiele, wie einfach man eine Verbindung zu Yoga herstellen kann. Auf diese Art und Weise schaffst du es nicht nur, dass sich die Jugendlichen öffnen und bereit sind Yoga auszuprobieren, sondern du lieferst ihnen auch gleichzeitig schon die Erklärung was Yoga ist. Ermutige die Jugendlichen dazu ihre vorgefasste Meinung über Yoga, die sie sich mit Sicherheit aus Werbung oder Zeitschriften gebildet haben, auf der Basis ihrer eigenen Erfahrungen mit Yoga zu erneuern. Ganz egal, was dir die Jugendlichen erzählen, du kannst bei allen Themen eine Verbindung zu Yoga herstellen. Denn Yoga ist keine lebensfremde Philosophie, sondern Yoga ist das Leben!

 

Hier noch ein paar weitere Praxis-Tipps für dich:

Coole Musik
In einer Yogastunde mit Jugendlichen darf Musik auf keinen Fall fehlen. Hierbei reden wir allerdings nicht über klassische Yoga- und Entspannungsmusik. In einer Yogastunde mit Jugendlichen ist jede Art von Musik erlaubt. Pop, Rock, Hip-Hop oder was sonst gerade aktuell ist. Finde heraus, welche Musik gerade für Jugendliche angesagt ist, beziehe sie in die Musik-Auswahl mit ein oder lass sie einfach direkt ihren iPod selbst mitbringen.

Bring sie in Bewegung
Jüngere Kinder sind wesentlich aktiver als Jugendliche. Ihre Muskulatur ist meist schon optimal aufgewärmt bevor die Yogastunde überhaupt begonnen hat. Bei Jugendlichen ist genau das Gegenteil der Fall. Sie sitzen lange in der Schule und verbringen ihre Freizeit am Handy, Computer oder an der Spiele-Konsole. Deshalb ist es für die Yogastunde mit Jugendlichen extrem wichtig eine intensive Aufwärmphase einzuplanen. Am besten nutzt du hierfür aktive Vinyasa-Sequenzen zu passender Musik, die alle erst einmal in Bewegung bringt.

Zeig ihnen, womit sie angeben können
Jugendliche mögen Herausforderungen und sie lieben es zu zeigen, was sie erreicht haben. Im Zentrum einer Yogastunde mit Jugendlichen sollten deshalb immer 1 oder 2 fortgeschrittene Asana stehen. Scheu dich nicht fortgeschrittene Asana wie zum Beispiel den Handstand oder Skorpion mit den Jugendlichen zu üben. Meiner Erfahrung nach lieben die Jugendlichen diese herausfordernden Asana. Zudem können sie damit vor ihren Freunden angeben und zeigen, dass Yoga cool ist!

Mach die Yogapraxis für sie zugänglich
Jugendliche wollen nicht das machen, was ihre Eltern, Großeltern oder noch schlimmer ihre kleinen Geschwister machen. Sie sehen die Welt mit ihren eigenen Augen und wollen auch im Yoga ihr eigenes Ding machen. Unsere Aufgabe als Yogalehrerinnen für Jugendliche ist es, ihnen genau auf diese Art und Weise die Yogapraxis zugänglich zu machen. Jugendliche lieben Partneryoga mit der besten Freundin oder Übungen als "The Wave", bei denen einer mit der Position beginnt und alle anderen nacheinander mit der Position folgen. Jugendliche sind stundenlang in sozialen Netzwerken unterwegs und teilen Bilder und Videos mit ihren Freunden. Mach mit ihnen zusammen Bilder und Videos in der Yogastunde mit denen sie angeben können. Jugendliche tragen unglaublich viel Kreativität in sich. Gibt ihnen Freiraum und unterstütze sie dabei ihren eigenen Zugang zu Yoga zu finden.

Teile dein Wissen
Finden Jugendliche eine Sache interessant, nehmen sie neues Wissen in diesem Zusammenhang auf wie ein Schwamm. In einer Yogastunde mit Jugendlichen kannst du deshalb durchaus auch Wissen weitergeben. Erklär ihnen welche Muskeln in einer Position gestärkt oder gedehnt werden, welche mentale Wirkungen eine Asana hat, welche Mythologie dahinter steckt. Arbeite mit den Jugendlichen an der korrekten technischen Ausführung der Asanas und erkläre ihnen die Wichtigkeit der Atmung.

Lass die Jugendlichen selbst gestalten
In der Lebensphase der Pubertät wollen die Jugendlichen selbst gestalten während erwachsene Bezugspersonen in den Hintergrund treten und nur noch als Orientierung dienen. Das ist ganz charakteristisch für diese Lebensphase. Lass die Jugendlichen deshalb die Yogastunde selbst gestalten. Gib nur eine Struktur vor an der sie sich orientieren können und lass sie diese selbst füllen.

Entspannung darf nicht fehlen
Auch wenn Yogastunden mit Jugendlichen eher durch Aktivität und laute Musik geprägt sind, sollte jede Yogastunde mit einer Entspannungsphase enden. Die Jugendlichen sind immer dankbar für eine solche kurze Auszeit in der sie sich für einige Minuten zurückziehen können. Hier ist auch immer der Einsatz von ätherischen Ölen zu empfehlen.

Sei flexibel und offen
Sei flexibel und geh immer auf die Bedürfnisse der Jugendlichen ein! Eine Yogastunde muss nicht jedes Mal der gleichen festen Struktur folgen. Haben die Jugendlichen ein großes Redebedürfnis, dann wird halt eben eine Stunde lang nur geredet.

Believe in yourself and you’ll be unstoppable.
~ Unknown

 

Bilderquelle: © Alena Ozerova 127231090 Fotolia.com

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