Teenageryoga – Jetzt mal Klartext!

von Kerstin Marchlewski

Die Teenagerzeit ist geprägt von ständigen Veränderungen – und die Pubertät beginnt immer früher. Als erstes der Wechsel von der Grundschule in eine weiterführende Schule: neue Freunde, Klassenkameraden, Lehrer – der Platz in der Rangordnung muss sich wieder neu „erkämpft“ werden. Die Gefühle fahren Achterbahn – und die Laune ändert sich täglich, oft sogar stündlich: heute schüchtern, morgen vorlaut. Jeder Tag ist für Teenager wieder eine Herausforderung sich neu zu positionieren: stiller Mitzuläufer, cooler Trendsetter, verpeilter Nerd, ich-bin-gegen-alles Punk oder verträumter Hippster. Der Körper verändert sich: Brust und Hüften wachsen, die Freundin ist auf einmal viel schlanker als ich, bin ich zu fett? , die ersten Diäten werden ausprobiert. Dr. Sommer in der BRAVO ist noch immer DER Ansprechpartner in dieser Zeit! Die Hormone schießen ein, das erste Mal verliebt!

Nicht Fisch - Nicht Fleisch

Ich weiß nicht, ob du dich noch an deine eigene Pubertät erinnern kannst! Wenn ich jedoch ganz intensiv zurückdenke, fällt mir wieder ein, das ich Hin- und Her gerissen war: Einerseits wünschte ich mir, alles solle so bleiben wie es ist – kuschelig und gemütlich von Mama den Kopf kraulen lassen und schmusen. Nähe – kindliche Nähe zur Mutter. Die Lieblingspuppe, den Teddy knuddeln, damit spielen. Aber ich war doch schon erwachsen! Was sollten diese blöden Gedanken? Wenn das einer mitkriegt! Ich wollte mir von meinen Eltern nichts vorschreiben lassen! Ich wusste selbst, was am besten für mich war! Mussten die sich in alles einmischen? Schule, Lernen, Heimkommen, ...! Konnten die denn nicht sehen, das ich schon „groß“ war?

Genau DAS macht Teenager-Yoga so besonders!

Wie du weißt, hat jede Altersgruppe ihre Besonderheiten – doch beim Teenager-Yoga benötigst du noch einmal besonders viel Einfühlungsvermögen und Fingerspitzengefühl. Jedes Kind ist anders und das solltest du aufgreifen können, indem du in deinen Yogastunden flexibel darauf eingehen kannst und notfalls die geplante Stunde umwerfen kannst. Im Teenageryoga ist nicht nur jeder Teenager anders – die zusätzliche Herausforderung ist, das auch die Stimmung stündlich oder minütlich anders sein kann.

Deine Ziele im Teenageryoga

Asanas, Pranayama, Entspannung – natürlich soll das nicht wegfallen! Doch gerade im Teenageryoga wird wieder einmal deutlich, das Yoga so viel mehr ist, als diese 3 Aspekte, auf die die westliche Welt Yoga so gerne reduziert! Beim Teenageryoga stehen Kommunikation, Selbstfindung und Balance der Gefühle und des veränderten Körpers im Vordergrund. Aber auch Achtsamkeit sich selbst und vor allem in der Interaktion mit Gleichaltrigen sollte einer deiner Schwerpunkte in den Stundenbildern sein.

Deine Aufgabe im Teenageryoga

Beim Teenageryoga hast du noch einmal eine ganz besondere Verantwortung – du bist weniger Lehrerin die vorgibt und lehrt als Vertraute, Freundin, erwachsene Ratgeberin, die den Jugendlichen hilft, ihr Yoga auf ihre Art und Weise zu entdecken und umzusetzen!

Zwei Dinge musst du hier besonders gut können:

  • Zuhören
  • offen sein für neue Yogawege (der Teenager)

Deine Yogastunden, der Raum mit den Matten ist DER Raum, wo die Themen Eltern, Lehrer, Liebe, Freundschaft, Druck, Minderwertigkeitsgefühle und Ängste ihren Platz finden. Es ist DER Raum für Diskussionen (über Asanas, Achtsamkeit, Gefühle) und das Ausprobieren (von Übungen, Atemtechniken, Entspannungen).

Vorgefertigte Stundenbilder

Es gibt Unmengen von fertigen Stundenbildern in Bücher oder dem Internet für jede Altersklasse – für Teenageryoga sind diese aber oft nur schwer zu finden! Es zeigt dir noch einmal ganz deutlich, wie individuell und differenziert dein Unterricht sein sollte! Jeder Kurs, jede Stunde sollte ganz speziell auf dein Teenager zugeschnitten sein! Denn was nutzt dir das beste Stundenbild zu einem tollen Thema, wenn du damit DEINE Teenager damit nicht erreichst?

„Planlos“ in die Yogastunde mit Teenagern?

Natürlich nicht und es spricht auch nichts gegen vorgefertigte Stundenbilder, die dir Inspiration geben oder dir als roter Faden durch die Stunde helfen. Wichtig ist nur, dass du alle obigen Herausforderungen mit in dein Stundenbild einbeziehst, ganz egal ob du dir ein fertigtes Stundenbild irgendwo im Internet gedownloadet hast oder das Stundenbild selbst geschrieben hast. Ganz wichtig ist es die folgenden Punkte zu berücksichtigen:

  • Die Befindlichkeitsrunden nehmen jede Stunde einen großen Raum ein.
  • Rituale sind in jedem Alter wichtig – im Teenageryoga könnten Affirmationen diese Aufgabe übernehmen. Eine Affirmation könnte durch die gesamte Stunde begleiten. Die Teenager können dazu die passenden Übungen erarbeiten. Gesprochene Affirmationen während der Übung unterstützen deren Wirkung.
  • Meditationen eignen sich als Konzentrationsübung vor den Asanas.
  • Partnerübungen sind sehr beliebt und unterstützen die soziale Interaktion.
  • Teenager lieben Flow-Übungen (Vinyasa Yoga).
  • Dynamik und Entspannung sollten sich abwechseln.
  • Immer wieder Zeit für Austausch und Kommunikation einbauen und anbieten.

Genauso schlau wie vorher?

Die Arbeit mit Jugendlichen ist immer wie ein Tanz auf dem Vulkan, denn man weiß nie, ob oder wann er ausbricht. Deshalb habe ich an dieser Stelle erst mal nur einige Tipps für dich, denn du kannst dich in diese Stunden wirklich nur „einarbeiten“!

  • Sei offen – gib so wenig vor wie möglich!
  • Hör genau hin - was sind ihre Themen, was ist gerade angesagt?
  • Greif die Themen der Teenager auf und suche dazu passende Affirmationen raus!
  • Welche Übungen passen zu den Affirmationen? Erarbeite die Übungen gemeinsam mit den Teenagern!
  • Schaff Raum und Zeit für Diskussionen, Gespräche und das Ausprobieren!
  • Denk immer daran: Auch wenn in einer Yogastunde keine einzige Asana geübt wird, ist es dennoch eine Yogastunde!

Vielleicht geht es dir so wie mir – du wächst an jeder Yogastunde. Doch es sind gerade die Stunden mit den Teenagern, die für eine unheimliche persönliche Bereicherung und Entwicklung sorgen. Wie frei und gelöst man ist, wenn man offen und flexibel bleibt, bekommst du nirgendwo so gut gezeigt wie im Teenageryoga.

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Bilderquelle: © 127231229 Alena Ozerova Fotolia.com

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