Stark mit Yoga – Selbstwertgefühl statt Mobbing.

Von Kerstin Marchlewski.

Ab ca. der 5. Klasse bekommt die soziale Interaktion von Kindern und Jugendlichen noch einmal eine neue Wertigkeit. In dieser Phase wird unter den Jugendlichen festgelegt, wer „in“ ist und wer ein „Looser“ ist. Das passiert natürlich nicht bewusst durch eine Wahl oder ein Losverfahren; und es hat meistens auch nichts mit der sozialen Schicht zu tun, aus der die Jugendlichen kommen. Vielmehr sind es die Jugendlichen selbst, ihre Körperhaltung, ihre Art und Weise zu sprechen und zu antworten oder zu schweigen und nur still zu nicken, die sie in eine bestimmte „Schublade“ pressen.

Aus Ärgern wird Mobbing.

In unserer heutigen Zeit endet das Auslachen, Hänseln und Ausgrenzen aber nicht wie früher mit dem Unterricht oder dem Heimweg, sondern geht per SMS, Chat oder anderer sozialer Netzwerke rund um die Uhr weiter. Das ganze ähnelt schnell einem Flächenbrand, den die betroffenen Jugendlichen selbst nicht mehr verhindern können. Das Verspotten und Verlachen bekommt eine neue, schärfere Qualität – aus Ärgern wird Mobbing!

Selbstwertgefühl statt Mobbing.

Der Selbstwert eines Jugendlichen hat einen entscheidenden Einfluss darauf, ob er zur In-Gruppe oder zur Loser-Gruppe gehört und am Ende vielleicht in der Mobbing-Falle landet. Darüber hinaus ist ein starkes Selbstbewusstsein in unserer heutigen Gesellschaft unabdingbar. Das Interessante ist hier, dass der Grundstein für ein starkes Selbstwertgefühl eines Menschen genau in dieser Lebensphase nämlich dem Jugendalter gelegt wird. Von dort aus entwickelt sich das Selbstwertgefühl weiter bis in das Erwachsenenalter hinein. Allerdings ist die Entwicklung des Selbstwertgefühls im Jugendalter am stärksten und die in dieser Zeit gemachten Erfahrungen, ob positiv oder negativ, wirken sich auch noch im Erwachsenenalter aus! Ein starkes Selbstwertgefühl kann Jugendliche nicht nur vor der Mobbing-Falle bewahren. Jugendliche mit einem starken Selbstwertgefühl sind u.a. emotional ausgeglichener, extrovertierter und gewissenhafter.

Was bedeutet das für deinen Unterricht?

Du kannst den Jugendlichen in deinen Yoga-Stunden auf verschiedenen Arten helfen ein starkes Selbstwertgefühl zu entwickeln:

  • Körperhaltung: Ganz klar, hier kannst du mit deinen Asana ansetzen und ihnen einen festen Stand, eine aufgerichtete und gerade Wirbelsäule und somit ein selbstbewusstes Auftreten mitgeben. Mach ihnen hier nochmal klar: selbst wenn sie sich in verschiedenen Situationen vielleicht gar nicht so selbstsicher fühlen – eine aufgerichtete Haltung vermittelt dies dem Gegenüber auf jeden Fall – selbst wenn man Lampenfieber hat und Schmetterlinge im Bauch tanzen. Der erste Eindruck zählt (leider noch immer!)
  • Affirmationen: Das Unterbewußtsein nimmt Affirmationen auf und unterstütz die Wirkung der Asana zusätzlich. Je nachdem, ob du die Stunde alleine oder mit den Jugendlichen vorbereitetest, suche dir ein paar passende Affirmationen heraus, zum Beispiel:

    - Ich habe Vertrauen.
    - Ich bin stolz auf mich.

    - Ich bin einzigartig.
    - Ich bin mutig.
    - Meine Meinung zählt.
    - Ich bin glücklich.
    - Ich mag mich.
    - Ich habe ganz viel Kraft.
    - Ich bin stark.
    - Ich kann es! Ich schaffe es!

  • Asanas: Wähle zu jeder Affirmation ein oder zwei Asana, die dir passend erscheinen. Oder beziehe deine Teilnehmer mit ein – welche Asanas würden sie wählen? So könnten es neben ganz offensichtlichen Asanas wie zum Beispiel der Krieger auch kraftvolle, anspruchsvoll gehaltene Haltungen sein, wie das Brett oder der Tisch. Du kannst die Asanas in einen Flow einarbeiten oder Kärtchen mit Abbildungen auf den Matten verteilen und deine Teilnehmer in einer Art „Zirkeltraining“ die Übungen ausführen lassen. Schön wäre es dann, in den Haltungen die Affirmation Mantra-ähnlich aufzusagen.
  • Paar-Yoga: Was gibt es besseres, als sich in sicherer Umgebung vertrauensvoll auf die Personen zu verlassen, die man kennt und die man mag? In Zeiten, wo sich die Jugendlichen außerhalb deines Raumes vielleicht überhaupt nichts mehr sicher sein können: Ist das noch mein Freund/Freundin? Haben die schon wieder hinter meinem Rücken über mich gesprochen? Warum wurde ich nicht eingeladen? Erzählt er/sie das, was ich letztens anvertraut habe, an die „falschen“ Leute weiter? Da gibt es Sicherheit und Vertrauen, wenn man sich bei den Übungen auf den Partner verlassen kann. Das Vertrauen in andere Personen wird wieder ein Stück weit verinnerlicht.
  • Entspannung: Mobbing bedeutet Streß, der sich auch körperlich auswirken kann. Schaffe deshalb einen Raum, der Sicherheit und Geborgenheit vermittelt und in dem sich die Jugendlichen wohl fühlen. Mach die Entspannung zu einem Ritual, das Vertrauen schafft und die Möglichkeit gibt körperliche, geistige und seelische Anspannung gehen zu lassen.
  • Ansprechpartner: In diesem Beitrag habe ich dir schon erklärt, wie wichtig genau in diesem Alter ein Erwachsener Zuhörer sein kann. Einer, der nicht tadelt, nicht die Augen verdreht, nicht grinst oder alles nur Oberlehrerhaft besser weiß. Nein, einer der wirklich zuhören kann, der zwischen den Zeilen liest, der dann einen Rat erteilt, wenn er darum gefragt wird und nicht sauer wird, wenn dieser Ratschlag vielleicht von den Jugendlichen sofort vernichtend widerlegt wird!

Wie du siehst, bietet dir Yoga viele Möglichkeiten, um mit den Jugendlichen in deiner Yogastunde an der Stärkung des Selbstwertgefühls zu arbeiten, so dass sie aufrecht und bewusst durch das Leben gehen können.

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