Mit Sicherheit hast auch du schon einmal eine Kinderyogastunde erlebt in der die Kinder einfach komplett andere Pläne hatten als du. Die Kinder wollten lieber herum rennen, über die Matten springen, hatten einen nicht enden wollenden Gesprächsbedarf, haben sich gegenseitig hochgeschaukelt, Quatsch gemacht und hatten an Yoga keinerlei Interesse. Am Ende hast du einfach nur noch das Gefühl gehabt, dass dir die Stunde entgleitet und im Chaos versinkt.

Ja, sowas passiert immer mal wieder sogar der erfahrensten Kinderyogalehrerin. Nicht selten kommt es nach einer solch chaotischen Kinderyogastunde vor, dass man unsicher wird, den Fehler bei sich selbst sucht, denkt man hätte etwas falsch gemacht und Selbstzweifel bekommt.

 

Erste Hilfe für dich selbst

Du kannst nie zu 100% sicher wissen, was die Kinder alles in die Yogastunde mitbringen. Das solltest du dir schon vor jeder Kinderyogastunde immer wieder ins Gedächtnis rufen! Ängste, Wut, Unsicherheit, das Gefühl keine Kontrolle zu haben und viele andere Emotionen können dazu beitragen, dass das Verhalten mancher Kinder eine echte Herausforderung in der Yogastunde ist; störendes Verhalten ist hierbei oft nur eine Bewältigungsstrategie der Kinder.

Gönn dir nach einer solchen chaotischen Kinderyogastunde, wenn es möglich ist, etwas Ruhe und nimm Abstand. Danach solltest du dir etwas Zeit nehmen und die Yogastunde noch einmal betrachten. Hierzu führe ich gerne ein Kurstagebuch, aber ein Blatt Papier tut es natürlich auch. In Gedanken lasse ich die Yogastunde dann noch einmal in aller Ruhe Revue passieren und notiere mir Punkte aus dem Ablauf der Stunde, die mir wichtig erscheinen. Hierbei geht es aber nicht darum nur die negativen Punkte aufzuschreiben, sondern auch das, was Positiv war. Darüber hinaus kannst du dir notieren, wie die inhaltliche Gestaltung war, in welcher Stimmung waren die Kinder, wie war deine eigene Stimmung, wann wurde es chaotisch usw. Wenn du regelmäßig ein Kurstagebuch führst, kannst du die Situation vielleicht auch mit einer ähnlichen, früheren Situation vergleichen. Ein Kurstagebuch zu führen und immer wieder zu reflektieren ist für mich persönlich eine wertvolle Hilfe bei herausfordernden Kinderyogastunden, aber auch in meiner persönlichen Entwicklung als Kinderyogalehrerin.

 

 

Praxistipps für die chaotische Kinderyogastunde

Was kannst du nun aber in solchen chaotischen Situationen in der Kinderyogastunde konkret tun?

 

Think outside the box

Wenn Kinder in der Yogastunde herumrennen, toben und scheinbar unendlich viel Energie haben, scheint es nur logisch den Kindern Bewegungs-Spiele und aktive Yoga-Übungen anzubieten, damit sie sich auspowern und später vielleicht zur Ruhe kommen können. Aber in viele Fällen führt eher das Gegenteil zum Erfolg nämlich Ruhe und Entspannung. Versuch die Kinder dort abzuholen, wo sie gerade sind und führ sie dann Stück für Stück in die Ruhe und Entspannung. Dies gilt natürlich auch in die andere Richtung! Sind die Kinder müde und schlapp, hol sie genau dort ab und führe sie langsam in die Bewegung und Aktivität.

 

Hilfsmittel im Chaos

Du hast mit Sicherheit eine große Kiste mit Hilfsmitteln, die du regelmäßig in deinen Kinderyogastunden einsetzt. Schau hier einfach mal nach, was es da so gibt, was die Aufmerksamkeit der Kinder normalerweise fesselt. Klangschalen oder Effektinstrumente wie zum Beispiel ein Regenstab haben einen faszinierenden Klang und fesseln in der Regel sehr schnell die Aufmerksamkeit und Konzentration von Kindern. Auch ein nachleuchtender Ball, der wie durch Geisterhand im Raum herum kullert, wird schnell die Aufmerksamkeit der Kinder erwecken und etwas Ruhe bringen. Gerade wenn Kinder viel Power haben und zur Ruhe kommen sollen, kann es förderlich sein, den Raum, wenn möglich, etwas abzudunkeln.

 

Übertrage Verantwortung

Gibt es ein Kind, welches durch seinen Verhalten besonders aus der Gruppe hervor sticht, kannst du ihm Kontrolle und Verantwortung übertragen. Kontrolle kannst du dem Kind geben, indem du ihm in einer bestimmten Situation die Wahl überlässt oder 2 Auswahlmöglichkeiten gibst, die aber beide zu dem gleichen Ergebnis führen. Allein die Möglichkeit zu Wählen unabhängig vom Ergebnis vermittelt dem Kind ein Gefühl der Kontrolle und Sicherheit und kann zu einem kooperativen Verhalten führen. Alternativ kannst du dem betreffenden Kind auch Verantwortung geben in dem du ihm kleine Aufgaben überträgst oder es für die Yogastunde zu deinem Assistenten machst.

 

Die Kommunikation

Auch deine eigene Kommunikation ist ein wichtiger Punkt. Wir sind alle von unserer Vergangenheit geprägt. Dadurch kommunizieren wir auf die gleiche Art und Weise, wie auch unsere Eltern und Lehrern mit uns kommuniziert haben. Diese alten Kommunikationsmuster zu ändern, ist schwierig und braucht seine Zeit. Es ist ein großer Schritt von „Das tut nicht weh. Das ist nur ein kleiner Kratzer“ hin zu „Auch ein kleiner Kratzer kann weh tun.“ Indem wir die Gefühle der Kinder akzeptieren, geben wir ihnen das Gefühl verstanden zu werden. Wenn sich Kinder verstanden fühlen, verhalten sie sich auch angemessen. Es gibt also eine direkte Verbindung zwischen dem was Kinder fühlen und wie sie sich verhalten. Hier noch einige Tipps zur Kommunikation:

  • Gefühle und Bedürfnisse: Hab immer ein offenes Ohr für die Gefühle und Bedürfnisse eines Kindes. Das wichtigste hierbei ist zuzuhören und die Gefühle einfach anzuerkennen, ohne Beurteilung und ohne Kommentierung. „Das tut nicht weh. Das ist nur ein kleiner Kratzer.“ Diesen kleinen unbedeutenden Satz umzuformulieren macht den Unterschied: „Auch ein kleiner Kratzer kann weh tun.“
  • Beschreibe selbst, was du fühlst: Anstatt Kritik zu äußern beschreibe, was du selbst fühlst. „Ich sehe es nicht gerne, wenn unsere Spielkarten über den ganzen Boden verteilt sind.“ oder „Es enttäuscht mich, wenn ich unterbrochen werde, so lange ich mit jemandem rede.“
  • Beschreibe das Problem: Beschreibe das Problem in knappen und einfachen Worten und möglichst auf neutrale Weise: „Ich sehe, dass unsere Spiel-Karten über den ganzen Boden verteilt sind.” Um dem Nachdruck zu verleihen wiederhole es nochmals mit einem Wort oder einer Geste: „Die Karten.“
  • Viele Weg führen nach Rom: Gib den Kindern immer 2 Wege oder Auswahlmöglichkeiten, um ein Problem oder eine Aufgabe zu lösen. Dies vermittelt ein Gefühl der Sicherheit und der Kontrolle über eine Situation: „Sammelt die Karten ein und legt sie auf den Tisch oder nehmt die Box und macht die Karten dort rein.“ Ein anders Beispiel: „Es ist schwierig neben einer guten Freundin zu sitzen und nicht zu reden. Da gibt es so viel, was ihr euch erzählen wollt. Was ist einfacher für euch: Nebeneinander zu sitzen und zu versuchen nicht miteinander zu reden oder die Plätze mit jemand anderem zu tauschen, so dass ihr nicht in Versuchung kommt miteinander zu reden? Redet nach der Stunde darüber und lasst mich wissen, wie ihr euch entschieden habt.“
  • Ratschläge geben: Formuliere Ratschläge wie folgt: „Wie wäre es, wenn …“ oder „Denkst du es würde helfen, wenn…“ Dies bezieht die Kinder aktiv mit ein.
  • Bleib positiv: Erinnere die Kinder immer wieder an positive Dinge, die sie in der Vergangenheit gemacht oder gesagt haben. Auch wenn man mit einen Kind über ein negatives Verhalten reden möchte, sollte man das Gespräch dennoch immer mit den positiven Punkten beginnen.
  • Eigener Standpunkt und Erwartungen: Mach deinen Standpunkt und deine Erwartungen klar. „Du bist so wütend, dass du gegen den Tisch trittst. Das ist nicht erlaubt, aber du kannst mir gerne mehr darüber erzählen, was dich wütend macht.“ Oder ein anderes Beispiel: „Ich mag nicht, was ich gerade sehe. Ich erwarte, dass ihr freundlich miteinander umgeht.“

 

 

The kids who need the most love
will ask for it in the most unloving ways.
- Unknown -

 

Bilderquelle: 1) © Africa Studio 164630733 Fotolia.com 2) © Robert Kneschke 59015242 Fotolia.com

Die meisten von uns kennen das Lied "May The Long Time Sun Shine Upon You" in der Version gesungen von Snatam Kaur. Ein wirklich wunderschönes Lied, das schnell zum Ohrwurm wird.

May The Long Time Sun Shine Upon You.
And All Love Surround You
And The Pure Light Within You
Guide Your Way On.

Lass die ewige Sonne auf dich scheinen.
Liebe dich umhüllen
und das reine Licht in deinem Innern
dir den Weg weisen.

 

Aber wie hat dieses englische Lied seinen Weg in die Yoga-Welt gefunden? Und wie kommt es, dass eine Yogastunde im Kundalini Yoga immer mit dem klassischen Mantra Sat Nam und genau diesem englischen Lied endet?

Das Lied "May The Long Time Sun Shine Upon You" ist ein Teilstück des Liedes "A Very Cellular Song" der Folkmusik-Band "The Incredible String Band" aus Glasgow, Schottland. Diese Band war u.a. auch auf dem Woodstock-Festival und hatte ihre erfolgreichste Zeit zwischen 1966 und 1972. Sie machten es sich zum Ritual jeden ihrer Live-Auftritte mit dem Teil-Lied "May The Long Time Sun Shine Upon You" abzuschließen.

Ungefähr zur gleichen Zeit brachte Yogi Bhajan die Praxis des Kundalini Yoga in den Westen. Eines Tages betrat er einen Raum in der eine Gruppe von Yoga-Schülern genau dieses Lied der Musik-Gruppe "The Incredible String Band" spielte. Er hörte das Lied und bat darum es noch einmal abzuspielen und verlangte dann, dass es nach dem Yoga-Unterricht noch einmal gespielt wird. Daraus wurde schnell eine Tradition, die sich weltweit im Kundalini Yoga etabliert hat und bis heute anhält und weitergegeben wird. Und so endet jede Yogastunde im Kundalini Yoga mit dem Lied "May The Long Time Sun Shine Upon You", welches eine Art Segnung darstellt bevor abschließend das Mantra Sat Nam gesprochen wird.

 

 

Auch für die Yogastunde mit Kindern und Jugendlichen eignet sich das Lied "May The Long Time Sun Shine Upon You" ganz wunderbar. Du kannst es zum Beispiel als Endritual in der Yogastunde verwenden, so wie es auch im Kundalini Yoga Tradition ist, als Vorbereitung auf die Meditation, als Mutmacher oder als Ergänzung zu Stundenbildern mit dem Thema Sonne.

Das Lied wird in der Sitzposition gesungen; dabei sind die Hände in Anjali Mudra. Die Augen können geschlossen sein. Willst du auch Drishti mit einbeziehen, wird der Blick auf Bhrumadhya Drishti (Fokuspunkt Stirn bzw. 3. Auge) gerichtet. Bevor es mit dem Singen losgeht wird einmal vollständig ein und aus geatmet. Dann noch einmal Einatmen und danach mit dem Singen beginnen.

 

Lass die ewige Sonne auf dich scheinen.
Liebe dich umhüllen
und das reine Licht in deinem Innern
dir den Weg weisen.

 

 

Bilderquelle: © kieferpix 167882721 Fotolia.com

Die meisten von uns haben eine fundierte Ausbildung für Kinderyoga abgeschlossen, haben die Lehren des Yoga intensiv studiert und vermitteln in ihren Kursen qualitativ hochwertige Inhalte. Dennoch ist es bei vielen von uns ein ständiges Auf und Ab bei den Yogakursen mit Kindern und Jugendlichen. Das Grundproblem liegt aber meist nicht im inhaltlichen Bereich eines Kurse. Neben dem inhaltlichen Bereich gibt es noch viele andere Bereiche, die passen müssen, damit ein Kurs dauerhaft erfolgreich sein kann. Wenn man verzweifelt versucht seine Kurse mit Kindern und Jugendlichen zum Laufen zu bringen, kann es helfen außerhalb der berühmten Box zu denken. 

Warum solltest du dir über den Namen eines Yogakurses Gedanken machen?

Vor einigen Jahren als Kinderyoga hier in Deutschland noch ganz neu war, musste man sich über den Namen seines Kurses keine Gedanken machen. Auch ich habe das nicht getan! Die Kurse hießen einfach "Kinderyogakurs für Kinder ab xx Jahren" oder "Yogakurs für Kinder". Zu dieser Zeit konnte man relativ sicher sein, dass das Wort Kinderyoga die Aufmerksamkeit auf sich zog. Heutzutage ist das anders. Es werden immer mehr Kinderyogalehrerinnen ausgebildet, wodurch die Konkurrenz wächst und das Thema Kinderyoga an sich wird kontrovers diskutiert. Überall liest man nur noch von Kinderyogakursen oder Yogakursen für Kinder. Ich selbst kann diese Bezeichnungen für Kurse mittlerweile nicht mehr hören und sie langweilen mich. Aus Marketing-Sicht hat man zudem mit solchen Kursnamen auch keine Chance mehr sich aus der Masse von Angeboten in diesem Bereich abzuheben. Die Änderung des Kursnamens kann deshalb unter diesen Umständen sehr effektiv sein und erfordert lediglich etwas Zeit und Kreativität.

Um neue Kursnamen zu finden arbeitest du am besten mit der Mindmap-Methode. Hierfür brauchst du ein Blatt Papier DIN A4 im Querformat und einige bunte Stifte. Nun baust du die Mindmap in den folgenden Schritten auf:

  1. Das zentrale Thema aufschreiben
    Das zentrale Thema wird groß in die Mitte des Blattes geschrieben. In unserem Fall: Kursnamen. Das Wort kann zusätzlich markiert, farbig geschrieben oder mit einem Kreis umrandet werden. Es soll auf den ersten Blick erkennbar sein, was das zentrale Thema der Mindmap ist. Nun malst du noch einige Linien an den Kreis. Diese Linien gehen vom Hauptthema weg und heißen Hauptäste.
  2. Schlüsselwörter sammeln
    Im nächsten Schritt sammelst du Schlüsselwörter zu dem Thema "Kursnamen" und schreibst diese auf die Hauptäste. Auf jedem Hauptast soll nur ein Schlüsselwort stehen. Hast du zu wenig Hauptäste, dann füge einfach noch welche hinzu. Die Reihenfolge ist dabei völlig egal. Beim Mindmapping sammelst du nur Schlüsselwörter und schreibst keine ganzen Sätze oder Satzfragmente auf. Schlüsselwörter sind Substantive, Adjektive und Verben. Auf diese Weise sparst du Zeit und konzentrierst deine Gedanken auf das Wesentliche.
  3. Die Mindmap verfeinern
    Die um das Hauptthema herum angeordneten Schlüsselwörter können nun Ausgangspunkte für eine weitere Gedankenebene sein, um in das Thema mehr Struktur zu bringen. Diese 2. Gedankenebene besteht aus Zweigen, die mit den Hauptästen verbunden sind und dünner gezeichnet werden als die Hauptäste. Den Gestal­tungs­mög­lich­keiten der Mindmap sind in diesem Punkt keine Grenzen gesetzt.

Wenn du zum ersten Mal mit der Mindmap-Methode arbeitest, tust du dich vielleicht etwas schwer, aber das ist ganz normal. Wenn du die Mindmap-Methode regelmäßig verwendest, wirst du mit der Zeit deine ganz eigene Technik entwickeln. Auch ich arbeite viel mit dieser Methode und es ist eine effektive Art und Weise um Ziele zu Planen oder Struktur und Übersichtlichkeit in neue Ideen zu bringen. Die Ideenfindung für neue Kursnamen ist hier ein optimaler Einstieg. Lass deiner Kreativität einfach freien Lauf!

Hier noch einige Beispiele für Kursnamen, die vielleicht frischen Wind in deine Kurse bringen können:

  • Spiel & Bewegung
  • Gesunder Rücken für Grundschulkinder
  • Yoga-Rückenschule für Schulkinder
  • Girls only: Selbstbewusst und sicher
  • Bleib locker: Entspannungsstunde für Jugendliche
  • Voll konzentriert!
  • Bewegte Märchenstunde

kursname kinderyoga

Bilderquelle: © peshkova 107015040 Fotolia.com